Andreae, Bernard  
Schönheit des Realismus: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik — Mainz, 1998

Seite: 83
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Die Grosse Galliergruppe

Sonnengott gehört haben, die nach Entfernung des ursprünglich auf Sterbender Gallier
der Rundbasis stehenden Werkes an dessen Stelle getreten war. Pli- Rom, Musco
nius (nat. 36, 84) überliefert, dass Nero viele Originalstatuen aus dem

Capitolino.

griechischen Osten nach Rom verschleppt hat. Dazu könnte auch das 230 220 <~,'r'
Werk gehört haben, das er durch seine eigene Statue verdrängte, und
es könnte sich dabei um die bronzene Galliergruppe gehandelt ha-
ben, die dann unter Nero auch in Rom kopiert werden konnte.

Hier scheinen Hypothesen übereinandergehäuft, die man besser
sofort wieder vergessen würde, wenn nicht ein merkwürdiger und
besonderer Umstand hinzukäme, der zumindest nachdenklich
macht.

Auf der Basis des Sterbenden Galliers findet sich eine rätselhafte
Ritzzeichnung einer geometrischen Figur aus drei konzentrischen
Kreisen mit kreuz und quer laufenden Linien, die sich bei genaue-
rem Hinsehen als die Linien eines nur teilweise ausgeführten fünf-
zackigen Sterns, eines sogenannten Pentagramms erweisen. Es liegt
nahe, diese Linien als die Kompositionslinien des Gruppenmonu-
mentes anzusehen, zu dem die Figur des Sterbenden gehörte. Diese
müsste dann auf einer Rundbasis gestanden haben.

Die Rundbasis im Zentrum des Heiligtums der Athena Nike-
phoros lag an einer durch komplizierte Zirkelschläge und Fluchtlini-
en festgelegten Stelle des von drei Säulenhallen von verschiedener
Länge eingefassten Heiligtums. Der Rundsockel stand dabei so, dass
er für den, der in das Heiligtum eintrat, zwischen der Kante des

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