Andreae, Bernard  
Schönheit des Realismus: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik — Mainz, 1998

Seite: 91
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DAMOPHON VON MESSENE UND DIE ALEXANDR1NISCHE KUNST

zurückzugeben, das bisher gegenüber dem zweiten Jahrhundert mit
seiner Überfülle an Skulpturen seltsam entvölkert schien.

Die neue historische Information, die das Schaffen eines Künstlers
vom Rang eines Damophon um nahezu zwei Generationen zeitlich
zurückverschiebt, ist kunstgeschichtlich ungemein bedeutungsvoll,
weil sie die Entwicklungsgeschichte der hellenistischen Plastik zum
Zeitpunkt einer entscheidenden Wende zu klären verhilft. Das soll
zum einen an dem Vergleich mit der von H. Kyrieleis identifizierten
Gruppe von Serapis, Ptolemaios IV. (222-204 v. Chr.) und seiner
Schwestergemahlin Arsinoe III. aus dem Jahr 218/217 v. Chr. aufge-
zeigt, und zum anderen soll der eklatante Stilunterschied zwischen
dem Kopf des Anytos und den Gigantenköpfen des Pergamonalta-
res kunsthistorisch bewertet werden. Wir beschränken uns hier auf
diese beiden Vergleiche, obgleich weitere Untersuchungen notwen-
dig sind.

IM

Kultgruppe des
Serapis mit Arsinoe ///.,
Kairo, Musee
Egyptien, und
Ptolemaios IV., Paris,
Lamm. 218/217v.Chr.

Damophon war ein ausserordentlich fruchtbarer Meister, und er
muss eine grosse Werkstatt geleitet haben. Von den Skulpturen des
Asklepios, dessen Vater Apollo und der diesen begleitenden Musen,
weiter der Söhne Machaon und Podaleirios, die sich nach mythi-
scher Überlieferung in Messene niedergelassen hatten, sowie einer
Figur des Herakles sind im Asklepiosheiligtum von Messene viele
Fragmente gefunden worden, die sich allerdings nicht zu einem
Vergleich mit dem Stil des Pergamonaltares eignen. Diese Skulptu-
ren wurden von Saikadidas für die gelungene Verteidigung der
Stadt gegen Demetrios von Phaleron im Jahre 214 v. Chr. gestiftet,
wodurch die Lebenszeit des Damophon bereits einen sicheren Fix-
punkt erhält, der früher nicht beachtet wurde. Pausanias erwähnt
ausserdem nicht wenige, zum Teil ebenfalls kolossale Skulpturen
des Damophon in Aigion und in Megalopolis, das nach der Plünde-
rung durch Kleomenes III. 223 v. Chr. als Hauptstadt des Achäi-
schen Bundes neu auflebte. Von den Skulpturen in Aigion und Me-
galopolis wurden bisher keine Reste gefunden. Der fruchtbare

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