Andreae, Bernard  
Schönheit des Realismus: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik — Mainz, 1998

Seite: 96
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Die Sitzstatue des Chrysippos

Chrysippos
Rekonstruktion der
Sitzstatue in
Göttingen, Abguss-
sammlung der
Universität.
Um 205 v. Chr.

Betrachten wir zunächst, ob sich das, was das Gesicht und der
Kopf an stilistischem Fortschritt zeigen, auch in der ganzen Statue
findet. Dass Chrysippos nicht auf einem mehr oder weniger kostba-
ren, mit einem grossen Kissen belegten Stuhl sitzt, sondern sich auf
einen einfachen Steinblock hingehockt hat, gehört zu seiner Charak-
terisierung als bedürfnisloser Stoiker. Desgleichen der eng um den
Rücken geschlungene Mantel und das fehlende Untergewand, das
den rechten Teil des Oberkörpers sichtbar werden lässt. Aber wie der
glatte Mantel eng über den gekrümmten Rücken gezogen ist, um
den alten Mann zu wärmen, wie der linke Arm eingehüllt ist, der ge-
spannte Faltenüberschuss die Schultern bedeckt, die linke Hand den
Stoff von innen ergriffen hat und straffzieht, und wie der rechte Arm

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