Andreae, Bernard  
Schönheit des Realismus: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik — Mainz, 1998

Seite: 106
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Die Bildnisse der Attaliden Attalos I., Eumenes II. und Attalos II.

Seite 106-107:
Emnenes 11. und
Attalos TL
Neapel, Mus. Naz.;
Rom, Mus. Naz.,
Rotunda Diocletiatii.
197 v. Chr.

Das Bildnis Eumenes' II. wurde, bevor die Benennung gelungen
war, als Bildnis eines jungen Feldherrn ("Young Commander") an-
gesehen. Diese Bezeichnung trifft etwas Richtiges. In dem feinge-
schnittenen, jugendlichen Gesicht drückt sich eine befehlsgewohnte
Kraft aus. Die soldatisch kurzgeschnittenen Haare fallen in flach ge-
stuften Sichellocken um den gewölbten Schädel. Im Nacken sind sie
von einem gesondert gearbeiteten, wohl aus einem Goldblechstrei-
fen bestehenden Diadem eingedrückt, das über der Stirn von zwei
hochstehenden Locken gehalten wurde. Es kann kein Zweifel sein,
dass ein König dargestellt ist. Wegen der den beiden anderen be-
kannten Attalidenporträts ähnlichen Gesichtszüge kann es sich nur
um Eumenes II. handeln. Der Vergleich des plastischen Bildnisses
mit dem Münzporträt führte zu derselben Benennung und wird da-
mit bestätigt.

Die Porträts Attalos' I. und Attalos' II. zeichnen sich wie dieses
Bildnis Eumenes' II. durch ein Grübchen im Kinn aus, offenbar ein
Familienmerkmal. Auch die Profile der drei Bildnisse stimmen so
genau miteinander überein, dass die Vermutung geäussert wurde,
alle drei Bildnisse stellten die gleiche Persönlichkeit in verschiede-
nem Lebensalter dar. Wegen der charakteristischen Abweichungen
im einzelnen zwischen den drei Bildnissen ist das aber nicht denk-
bar. Vielmehr scheint es die Absicht der Auftraggeber gewesen zu
sein, die Profile so ähnlich wie möglich gestalten zu lassen, damit
man an diesen einprägsamen Zügen sofort die Zugehörigkeit zur
gleichen Dynastie erkennen konnte.

Die Unterschiede zwischen dem Bildnis des Königs Eumenes und
dem seines Bruders, des Prinzen Attalos, der in dem berühmten
Standbild eines hellenistischen Herrschers im römischen National-
museum kein Diadem trägt, also noch nicht König ist, geben etwas

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