Andreae, Bernard  
Schönheit des Realismus: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik — Mainz, 1998

Seite: 110
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Nikeratos: Das Bildnis des Königs Eumenes, die
Asklepios-Hygiea-Gruppe und die Palladionraubgruppe

Sperlonga, Mus. Naz
Aachen, Stadmuseum;
Athen, Ethnikon

Seite 110-111: Dieser Kopf ist einem etruskischen Odysseuskopf aus Nenfro, der

Palladionraubgruppe m Ferentum gefunden wurde und im Museum von Viterbo aufbe-
wahrt wird, so ähnlich, dass man auch den letzteren für einen Nach-
klang des Odysseus der Palladionraubgruppe halten darf. Leider ist
beim Kopf von Ferentum der Hals schon am Ansatz abgebrochen,
Mouseion; s° dass man die Bewegung des Kopfes nicht mehr sicher bestimmen

Viterbo, Mus. Civico. kann. Der Kopf in Aachen, der sich nur motivisch und weniger sti-
Um 190 v. Chr. listisch für die Kenntnis des Originals auswerten lässt, zeigt jedoch

die abrupte Wendung nach rechts, ebenso wie der sehr ähnliche,
aber nur 10 cm hohe Kopf im Relief des hundert Jahre früher ent-
standenen Beinkastens in Athen. Als das Palladion zum Zeichen,
dass es das echte ist, plötzlich die Lanze schüttelt und mit den Au-
gen blitzt, prallen die Helden zurück und werfen den Kopf zur Sei-
te. Beide starren auf das Wunder. Diesen fruchtbaren Augenblick
hat der Meister für die Darstellung seiner Gruppenkomposition ge-
wählt, die in manchen Stilmitteln an den sein Weib tötenden Gal-
lierhäuptling anschliesst, aber in der Weichheit der Durchbildung
des Karnates fortgeschrittener erscheint.

Vielleicht kann man den Meister der Palladionraubgruppe benen-
nen. Bemerkenswert ist nämlich die Ähnlichkeit des Diomedes der
Palladionraubgruppe zum Bildnis Eumenes' II. Nur die Locken der
mythologischen Figur sind etwas länger, aber stilistisch von gleicher
Art. Auch der Schnitt des Gesichtes und der Augen ist bei beiden
übereinstimmend. Der Mund des Diomedes ist bestossen. Aber der
elegant, fast dekorativ geschwungene Mund des Königs und der
Mund des Palladions sind erstaunlich ähnlich. Stellt man die Ge-
sichter direkt nebeneinander (S. 261), so springt die Übereinstim-
mung beim Schnitt der Münder in die Augen. Zur Bestätigung

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