Andreae, Bernard  
Schönheit des Realismus: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik — Mainz, 1998

Seite: 111
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Nikeratos: Das Bildnis des Königs Eumenes, die
Asklepios-Hygiea-Gruppe und die Palladionraubgruppe

kommt noch ein äusseres Erken-
nungszeichen hinzu. Eumenes
und sein Bruder Attalos zeigen,
wie übrigens auch der Vater At-
talos L im Porträt in Berlin, ein
Grübchen im Kinn, ein sehr selte-
nes Merkmal in der griechischen
Bildniskunst, das überraschen-
derweise auch das Kinn des Dio-
medes zeigt. Das einfach als Zu-
fall abzutun ist nicht leicht, denn
dazu ist es zu prononciert.

Man kommt zu dem Ergebnis, dass das Bildnis des Königs Eume-
nes II. und die Palladionraubgruppe von der gleichen Künstlerhand
geformt wurden. Nun ist, wie gesagt, überliefert, das Bildnis des
Königs Eumenes sei ein Werk des Nikeratos.

Nikeratos, Sohn des Euktemon aus Athen, ist kein Unbekannter,
wenn bisher auch nur ein einziges seiner zahlreichen in der schrift-
lichen Uberlieferung genannten Werke in römischen Kopien nach-
gewiesen wurde. Es ist dies die Gruppe von Asklepios und Hygieia,
die wahrscheinlich ursprünglich in Pergamon stand und später
nach Rom, in den Tempel der Concordia, gebracht wurde (Plin. nat.
34, 80). Die Repliken der Hygieia im Palazzo Corsini in Rom und in
Berlin sowie der Asklepios in den Uffizien in Florenz und andere
Überlieferungsträger wie Adaptationen und Münzdarstellungen
geben eine ziemlich genaue Vorstellung von der Schöpfung des
Nikeratos, die sich als stilistisch dem Eumenesporträt und dem
Diomedes der Palladionraubgruppe aufs engste verwandt erweist.
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