Andreae, Bernard  
Schönheit des Realismus: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik — Mainz, 1998

Seite: 118
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Die Nike von Samothrake

etwas anderes, ob man weiss, dass rhodische Kunst für die Stilent-
faltung des Pergamonaltares mitverantwortlich ist, oder ob man es
sieht, wie im Vergleich zum Beispiel der Aphrodite am Nordfries
mit der Nike von Samothrake.

Phyromachos, Klytios
und bärtiger Kopf
vom Ostfries des

26. Phyromachos: Der Asklepios von Pergamon,
der Gigantenfries des Pergamonaltares und
der Gigant des Attalischen Weihgeschenks

Seite 119 und 121: Im Zusammenhang mit der Tatsache, dass die aus dem Marmor ge-
Asklevios des hauene Nike von Samothrake ein Auftragswerk der Republik Rho-

dos ist, wo wegen der hier fehlenden Marmorvorkommen Skulptu-
ren gewöhnlich in Bronze gegossen wurden, darf nicht unerwähnt
Pergamonaltares bleiben, dass in Rhodos kürzlich eine grosse Bronzegiessgrube ent-

Syrakus Museo deckt wurde und in der Nähe eine Inschrift, die einen Bildhauer mit

Regionale; Namen Asklapon Phyromachou nennt. Diese Inschrift ist um 240

Berlin, Staad. Mus., v. Chr. zu datieren, nennt also einen wegen der dorischen Namens-
Antikens. form wohl in Rhodos heimischen Bildhauer, der allenfalls der Vater

275 und 165 v. Chr. ^es gegen 220 v. Chr. geborenen berühmten Phyromachos von
Athen gewesen sein könnte.

Uberhaupt an einen solchen Zusammenhang zu denken, der in je-
dem Fall beim Stand der Erkenntnisse rein hypothetisch ist, legt al-
lein die Seltenheit des Namens Phyromachos nahe. Im übrigen trifft
zu, dass die Enkel häufig den Namen des Grossvaters erhielten. Es
wäre auch verlockend, sich vorzustellen, dass der grosse Bronze-
giesser und Maler Phyromachos, der sich allerdings in einigen In-
schriften selbst als Athener bezeichnet, aus einer Familie von Bild-
hauern stammt, die in Rhodos ansässig war. Dadurch Hessen sich
die Wurzeln seiner Kunst besser freilegen. Athener könnte er durch
UmlSO vChr seine Zusammenarbeit mit Nikeratos geworden sein. Schliesslich

dürfte man auch eine Namensverwechslung zwischen Grossvater
und Enkel für möglich halten, wenn die knappe Aussage von Plini-
us, nai. 34, 51 wirklich so zu verstehen wäre, dass er Phyromachos
für einen Künstler des dritten Jahrhunderts v. Chr gehalten hat. In
dem ganzen Gedankengang sind aber so viele unbewiesene Prämis-
sen enthalten, dass es genügen muss, ihn mitgeteilt zu haben, ohne
weitere Schlüsse daraus zu ziehen. Denn was man über Phyroma-
chos begründet aussagen kann, ist ohnedem genug.

Wir haben zunächst im Anschluss an die datierten Sitzbilder von
Dichtern und Philosophen des dritten Jahrhunderts v. Chr. auch das
früheste in Kopien überlieferte Werk des Phyromachos betrachtet,
das Bildnis des Antisthenes.

Zu behandeln sind jetzt zwei weitere Werke des Künstlers, die in
je einer römischen Marmorkopie auf uns gekommen sind und
durch eine kombinierte Methode der Analyse von Schriftqucllen,

Antisthenes
Vatikan, Sala
delle Muse.

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