Andreae, Bernard  
Schönheit des Realismus: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik — Mainz, 1998

Seite: 155
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Der Pergamonaltar: Südfries

Löwenfells, das der Gigant als Abwehrwaffe gegen den Angriff Tri-
tons vorstreckt. Das ist höchst kunstvoll ausgedacht und rechnet mit
einer besonderen Sensibilität des Betrachters, der den Geistesblitzen
des Entwerfers nachspüren soll. Dieser überlässt nichts dem Zufall
oder der Selbstverständlichkeit, sondern arbeitet alles aus, so dass
das dichte Ineinandergreifen der Gruppen nicht nur den Eindruck
eines Massenkampfes, sondern auch den eines Aufeinandertreffens
individueller Gewalten hervorruft.

27 d. Der Pergamonaltar: Die Treppenwangen

Schreitet man zwischen den Risaliten die Freitreppe hinauf, so kann
man auf gleicher Höhe ganz nah an die Friesreliefs herantreten. Die
südliche Treppenwange ist stark fragmentiert. Man kann aber die
Reste von drei Nymphen ausmachen: Von der ersten ist nur der Zip-
fel ihres zurückwehenden Mantels zu sehen, der mit dem Saum auf
die 14te Treppenstufe stösst. Unmittelbar daneben setzt die zweite
Nymphe die Spitze ihres linken, mit schönen Lederstiefeletten be-
schuhten Fusses auf die gleiche Stufe. Von dieser Nymphe, die den
(nicht erhaltenen) rechten Fuss auf die von der 13ten ausgehende
Basis der Orthostatenplatten gestellt haben muss, sieht man oben
noch den Rücken mit gekreuzten Gewandbahnen, den linken erho-
benen Arm und den Hinterkopf mit den in einer Rolle aufgenom-
menen Haaren. Da die Plattenfuge mitten durch ihren Oberkörper
geht, kann ihre Position nicht zweifelhaft sein.

Die dritte, langgewandete Nymphe stösst einem niedergesunke-
nen Giganten die Lanze senkrecht in die Halsgrube.

Besonders grossartig ist der Adler im engen Zwickel der Trep-

Südlkhe Treppenwange,
Nymphen, Giganten,

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