Andreae, Bernard  
Schönheit des Realismus: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik — Mainz, 1998

Seite: 185
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Eisigonos, Phyromachos, Stratonikos, Antigonos: Das Attalische
Weihgeschenk von der Südmauer der Akropolis zu Athen

Gigant in Neapel,
Mus. Naz.
Nach 766 v. Chr.

Um dieses Verständnis des Satzes mit der Überlieferung in Ein-
klang zu bringen, wonach ein grosses Galliermonument von einem
Bildhauer namens Epigonos geschaffen wurde, hat man den im Co-
dex Bambergensis, der einzigen sicheren Quelle der Naturalis Histo-
ria, verzeichneten Namen Isigonus (sie) in Epigonus abgeändert.
Das ist aber methodisch nicht zulässig, da der seltene Name Isigo-
nus die schwierigere Lesart ist, die nicht aus Epigonos verschrieben
sein dürfte. Auch alle übrigen Versuche, ausser dem als zweitem ge-
nannten Phyromachos einen weiteren der vier Künstler mit einem
aus anderen Quellen bekannten Künstler gleichzusetzen, sind ge-
scheitert. Bevor nicht ein neues Zeugnis auftaucht, muss man zuge-
ben, dass ausser Phyromachos kein anderer aus dieser Viererliste
sonst irgendwie bekannt ist, obwohl Stratonikos und Antigonos an
und für sich keine seltenen Namen sind. Eine Gleichsetzung der von
Plinius Genannten mit einem Träger des gleichen Namens, von dem
man mehr wüsste, wäre aber beliebig.

Durch diese Feststellungen wird man von einem Denkzwang be-
freit und kann den knappen Satz von Plinius (nat. 34, 84) noch ein-
mal unbefangen lesen. Der Satz steht im Buch über die Bronzepla-
stik, die Kämpfe gegen die Gallier waren also in Bronzeskulpturen
dargestellt. Die Nennung des Phyromachos, dessen Schaffenszeit im
zweiten Jahrhundert lag und der sicher nur zeitgenössische Gallier-
kämpfe verherrlicht hat, datiert diese ebenfalls ins zweite Jahrhun-
dert. Das ergibt sich auch aus der Nennung Eumenes' II. Dieser per-
gamenische König hatte siegreiche Gallierkämpfe, die sich zu ver-
herrlichen lohnten, vor allem im Krieg von 168-166 v. Chr. ausge-
fochten, und zwar gemeinsam mit seinem Bruder Attalos. Das war
mehr als ein halbes Jahrhundert nach den Gallierkämpfen Attalos'
I., die im Grossen Attalischen Weihgeschenk (S. 80-86) aus den
zwanziger Jahren des dritten Jahrhunderts v. Chr. verherrlicht sind.
Soll man annehmen, dass Plinius alle diese durch lange Zeitab-
schnitte voneinander getrennten Gallierkämpfe in einem Atemzug
nennt, oder ist es nicht eher denkbar, dass er mit Attali et Eumenis ad-

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