Andreae, Bernard  
Schönheit des Realismus: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik — Mainz, 1998

Seite: 241
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Herakles, Telephos und König Mithridates VI. von Pontos

Herakles, den Alexander der Grosse und durch ihn auch Mithri-
dates als Stammvater ansahen, hatte am Kaukasus die Ketten des
Prometheus gesprengt, dem ein Adler die Leber aufhackte, so wie
sein Nachfahre Mithridates die Griechen Kleinasiens von den Gei-
ern der römischen Zollpacht befreit hatte. In Mithridates brachte
Herakles den Griechen von Pergamon einen neuen König Telephos,
der sich selbst durch seinen Beinamen Eupator als guten Vater dar-
stellte und zugleich ein neuer Dionysos sein wollte. Indem er die Er-
innerung an den Plutos-Knaben der Eirene und den Dionysos-Kna-
ben des Hermes wachrief, verwies er auf seine eigene Rolle als Brin-
ger von Frieden und Reichtum und als Neos Dionysos. Wer diese Sta-
tuengruppe in Pergamon sah, erkannte sofort: Unser neuer Telephos
ist Mithridates VI. Eupator Dionysos.

Doch die Statuengruppe steht nicht in Pergamon, sondern in
Rom. Deswegen könnten doch Zweifel an der hier vorgeschlagenen
Deutung und Benennung laut werden. Auf die Frage, wie die Statue

hierher gekommen ist, wird die Antwort leichterfallen, wenn man Be/reiimg

. . . .... Frontet Iteus

zunächst einen ebenso interessanten wie unmissverständhchen Relief mm Pergamon

Hinweis beachtet, den das eigentümliche Stirnband des Herakles Berlin, StaatL Mus.

bietet. Auf den ersten Blick ist es ein unscheinbares Detail, das sich 88-85 v. Chr.

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