Andreae, Bernard  
Schönheit des Realismus: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik — Mainz, 1998

Seite: 245
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Herakles, Telephos und König Mithridates VI. von Pontos

Königs, die man auch von einem Porträt aus Ostia in der Sammlung
Aldobrandini zu Frascati kennt.

Eine aus Pergamon nach Berlin gelangte kleinfigurige Skulpturen-
gruppe (S. 241) stellt Herakles mit den Zügen Mithridates' VI. als Be-
freier des an den Kaukasus geschmiedeten Prometheus dar. Aus der
Zeit des Mithridates VI. von Pontos sind also mindestens fünf in die
Zeit seiner grössten Machtentfaltung datierte Werke bekannt - die
Bronzevase im Konservatorenpalast, die Porträts in Frascati, in Ber-
lin, im Louvre und die Herakles-Prometheus-Gruppe in Berlin -, die
im Verein mit der Statuengruppe im Museo Chiaramonti eine Vor-
stellung vom Stil des frühen ersten Jahrhunderts geben können. Be-
sonders die Prometheusgruppe in Berlin, die in der Einansichtigkeit
fast reliefartig ist und darin noch deutlich über die Laokoongruppe
hinausgeht, gibt einen aufschlussreichen Anhaltspunkt. Hier ist die
Bildhaftigkeit einer plastischen Gruppe bis zum Exzess getrieben.

In die gleiche Stilepoche ist auch das Bildnis des Siegers über Mi-
thridates VI., Pompeius Magnus, zu datieren, das man in zwei Ver-
sionen kennt, das aber besser der römischen Kunst zuzuweisen ist
als der hellenistischen. Sein Realismus entbehrt völlig des Pathos,
das die griechischen Werke auszeichnet.

40. Kleopatra

48. v. Chr. hatte Caesar seinen früheren Freund und Kollegen im Tri-
umvirat, Pompeius Magnus, bei Pharsalos besiegt und verfolgte ihn
nach Ägypten, wo Ptolemaios XIII. (51^47 v. Chr.) ihm Haupt und
Siegelring des gegen den Willen Caesars von den Ratgebern des drei-
zehnjährigen Pharaos Ermordeten entgegenbringen Hess. In Ägyp-
ten lernte Caesar die Schwester und Mitregentin des jugendlichen
Pharao, Kleopatra VII., kennen, die damals einundzwanzig Jahre alt
war. Er verliebte sich in das nicht eigentlich schön zu nennende, aber
nach allen Schilderungen ausserordentlich reizvolle Mädchen und
mischte sich zu ihren Gunsten in die ägyptischen Thronwirren ein.
Sie gebar ihm 47 v. Chr. einen Sohn, den das Volk Kaisarion nannte.
Caesar Hess Kleopatra 46 v. Chr. nach Rom kommen, und man be-
hauptete, er wolle sie zur rechtmässigen Gattin erheben. Nach Cae-
sars Ermordung kehrte sie 44 v. Chr. nach Alexandria zurück, wo
sie die Herrschaft nominell mit ihrem Sohn gemeinsam ausübte, 37
v. Chr. Marcus Antonius heiratete, ihm drei Kinder schenkte und
nach der Schlacht von Aktium im Jahre 30 v. Chr. bald nach ihrem
Gatten durch einen Schlangenbiss Selbstmord verübte.

Die Geschichte dieser hochgebildeten, sprachbegabten und poli-
tisch einfallsreichen Frau, die ihre Liebesfähigkeit auch zur Mehrung
ihrer Macht einsetzte, hat die Nachwelt immer lebhaft interessiert.
Die von ihr überlieferten Bildnisse in Marmor und auf Münzen lassen

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