Andreae, Bernard  
Schönheit des Realismus: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik — Mainz, 1998

Seite: 265
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Ergebnis: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik

arbeiter des Letztgenannten am Attalischen Weihgeschenk von der
Akropolis-Südmauer zu Athen, Apollonios und Tauriskos von Tral-
leis, Boethos, Sohn des Athenaios aus Kalchedon, Damokrates aus
Kreta, die Kopisten Athanadoros, Hagesandros und Polydoros von
Rhodos sowie einige untergeordnete Bildhauer, die am Pergamon-
altar mitgearbeitet oder weniger bekannte plastische Werke ge-
schaffen haben. Diese Künstler verteilen sich relativ gleichmässig
über die drei Jahrhundert Kunstgeschichte, die in diesem Buch be-
trachtet werden. Ungleichmässig ist die Verteilung der Künstler auf
Herkunftsorte, besonders, wenn man diese mit Kunstschulen
gleichsetzen darf wie Sikyon und Athen. In der Tat kommen die
meisten durch erhaltene Werke kenntlichen Meister aus diesen bei-
den Städten, und das heisst doch wohl auch aus den dort beheima-
teten berühmten Kunstschulen. Die von Sikyon war von Lysipp ge-
prägt, dessen Wirken unmittelbar zur hellenistischen Bildhauerkunst
führte, und die Bildhauerschulen von Athen waren die grössten und
vielseitigsten in ganz Griechenland. Es ist deshalb nicht verwun-
derlich, dass etwa ein Drittel aller namentlich überlieferten helle-
nistischen Plastiker, von denen noch Werke kenntlich sind, aus
Athen oder Sikyon stammen.

Doch der Geist weht, wo er will. Auch Städte, von deren Kunst-
schulen man keine Vorstellung hat, wie Kalchedon und Tralleis,
bringen grosse Künstler hervor, während Rhodos, das sicher eine
bedeutende und eigenständige Kunstschule besass, in der schriftli-
chen Überlieferung nicht evident in Erscheinung tritt, und das be-
sonders, wenn man bedenkt, dass die berühmtesten diodischen
Künstler, nämlich Athanadoros, Sohn des Hagesandros, Hagesan-
dros, Sohn des Paionios, und Polydoros, Sohn des Polydoros, die,
nach den Vatersnamen zu urteilen, sicher aus rhodischen Familien
stammten, nicht im eigentlichen Sinn schöpferisch, sondern Kopi-
sten waren und deshalb nur beschränkt für die rhodische Kunst in
Anspruch genommen werden dürfen. Allerdings ist ihre Bravour
unvergleichlich. Ihr handwerklicher Stil, der gleichwohl den Stil der
Originale, die sie kopierten, noch durchscheinen lässt, ist von einer
alles andere weit überragenden Qualität, so dass viele Kunstkenner
sich nicht damit abfinden wollen, was doch mathematisch bewiesen
ist, nämlich dass es sich bei den von diesen Bildhauern signierten
Skulpturen und auch bei dem ihnen von Plinius zugewiesenen La-
okoon um exakte, massgleiche Kopien hellenistischer Bronzeorigi-
nale handelt. Trotz dieses "Fehlens an Evidenz" hat es eine rhodi-
sche Kunstschule gegeben, die zumindest in den Signaturen rhodi-
scher Steinmetzen am Pergamonaltar und an dessen Vorläufer, der
Skyllagruppe vom Typus Sperlonga, in Erscheinung tritt.

Überdenkt man alles, was man über diese rund zwanzig noch
heute namentlich bekannten hellenistischen Künstler, über ihre Her-
kunft, ihr Leben und ihr Werk aussagen kann, dann bedauert man

Dirkegruppe
Seite 195
265-159 v. Chr.

Gttnswürger
des Boethos
Seite 207
Uw 164 v. Chr.
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