Andreae, Bernard  
Schönheit des Realismus: Auftraggeber, Schöpfer, Betrachter hellenistischer Plastik — Mainz, 1998

Seite: 274
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Ausblick

der Lehrer der Römer bezeich-
-; ." ^ net wird, und der Politiker

^KmOm^j.'^ Gaius |nlins Caesar (100 11

v. Chr.), dessen Name zum Titel
der Kaiser werden sollte. Posei-
'■; | A ' donios gilt "als die bedeutend-

-vJ^^^. \ ste geistige Erscheinung, die

Äff*fj ■ ■B^SJsL . [' der Hellenismus hervorge-

WL; H j^f bracht hat", Caesar, den Jacob

^^Hj^, -m Burckhardl gai "den grös-

PfflKJk,. sten aller Sterblichen" bezeich-

TPt" .net hat, war jedenfalls schon für

jgi^^^^ .ci'.V die Zeitgenossen eine inkom-

illfc^*fefc^_ mensurable Erscheinung. Er ist

der Inbegriff eines Tatmen-
sehen, der sein Werk als Politi-
jjtfm ker durch schriftlich niederge-

Jjm legte Kommentare (Commenta-

JKsM rii) in einem vollkommen neu-

en, an Nüchternheit und Klar-
heit unüberbietbaren Stil auch
jf i theoretisch durchdrungen hat.

Von beiden Persönlichkeiten
sind aus ihrer Lebenszeit je we-
nigstens ein künstlerisch be-
^■jL ^jjjfaj/ -mt^mr- ' ■ iliUBr deutendes Bildnis erhalten, das

^HBh^:;\fRs' ■LK^,«'. des Poseidonios aus der Villa

der Pisonen in Herculanum,
JH jetzt im Nationalmuseum von

Neapel, das Caesars aus Tuscu-
lum (bei Frascati), jetzt im
Poseidonios Schloss von Aglie bei Turin. Von Caesar gibt es noch eine Vielzahl

Neapel, Mus. Naz. weiterer Bildnisse von augusteischer Zeit an bis in die Spätantike.

Hier genüge es, die beiden zu Lebzeiten der Persönlichkeiten ge-
schaffenen Bildnisse in Neapel und im Castello Aglie nebeneinan-
derzustellen. Sie geben sich durch die unpathetische Schlichtheit ih-
rer Formung, durch die Bestimmtheit ihres Blicks und durch die
Ausführung der Einzelformen als Werke des gleichen späthelleni-
stischen Stilhorizontes zu erkennen. Nach dem Alter der Dargestell-
ten zu urteilen, dürfte das Bildnis des eine Generation älteren Po-
seidonios zwar etwas früher sein als das Caesars, so dass ein minu-
tiöser Vergleich möglicherweise die Tendenzen der Stilentwicklung
zwischen der ersten und der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts
v. Chr. erkennen lässt.

Hervorstechend aber ist die Stilverwandtschaft der beiden
Bildnisse. Die leicht zur Seite - Poseidonios nach links, Caesar

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