Andresen, Andreas
Der deutsche Peintre-Graveur oder die deutschen Maler als Kupferstecher: nach ihrem Leben und ihren Werken ; von dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts bis zum Schluss des 18. Jahrhunderts und in Anschluss an Bartsch's Peintre-Graveur, an Robert-Dumesnil's und Prosper de Beaudicour's französischen Peintre-Graveur (Band 1) — Leipzig, 1872

Seite: 73
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HEINRICH GöMC.

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zugeschrieben. Das Herzog!. Kunstkabinet zu Gotha
verwahrt, ein kleines Buch mit 13 Miniaturen, Scenen
aus dem Leben Jesu. Der Inspector BcBE hat dieses
Büchelchen neulich im Anzeiger für Kunde der
deutschen Vorzeit beschrieben. — Diese wenigen
Malereien würden kaum hinreichen, um einen voll-
ständigen Begriff von der Kunstrichtung Gödigs zu
geben, wenn nicht noch andere Arbeiten dieses
Meisters erhalten wären, wir meinen seine Ra-
dirungen, in welchen sich seine Eigentümlichkeit
sprechender nnd bestimmter ausprägt.
Er erscheint uns, so urtheilt treffend Schuchardt, in
ihnen nicht als ein besonders begabter Künstler von sehr
hervorragenderBedeutung, mehr als gewandter, hand-
fester und tüchtiger Praktiker; seine Zeichnung ist frei,
energisch, oft schwungvoll und gewaltig, aber dem
Charakter seiner Zeit gemäss manierirt; seine Figuren
sind fertig gezeichnet, aber ohne sorgfältigere Durch-
führung des Einzelnen, oft sehr gut in Bewegung und
dadurch erzieltem Ausdruck, so dass sie genugsam
zeigen, dass es dem Künstler nicht an Kenntniss und
Uebung gefehlt habe, wohl aber an feinerem Sinn nnd
Geschmack; er trieb seine Kunst, wie sie in jener Zeit
von den Meisten getrieben wurde, etwas handwerks-
mässig. Sieht man aber davon ab auf das Technische,
so sind seine Blätter mit derber Nadel recht tüchtig,
ja vieles recht geistreich behandelt. Recht gut ist be-
sonders auch alles Landschaftliche.
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