Anton, Hugo Saintine
Die Mysterien von Eleusis — Naumburg a. S., 1899

Seite: 9
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Metaneira die Königin, eine Tochter des Krokon, die
von ihrem Kommen eiligst benachrichtigt war.

Sie sass an den Pfosten des Saales, hatte ihren kleinen
Sohn Demophon auf dem Schosse und war nicht wenig
erstaunt, als der Saal beim Eintreten der Göttin vom
himmlischen Lichte erstrahlte. Schnell fasste sie sich
und bat die Göttin. Platz zu nehmen: aber diese setzte
sich nicht, bis die wohlverständige Dienerin Jambe 7) ihr
einen künstlichen Sessel brachte und ein Schaffell darüber
breitete. Dann setzte sie sich, hielt den Schleier vor.
lehnte Speise und Trank ab, betrübt im Herzen und
blieb lautlos. Aber Jambe gelang es, sie durch Scherze
zu erheitern und sogar zum Lachen zu bewegen.

Nun reichte ihr Metaneira einen Becher Weines, aber
sie lehnt ab und bittet, ihr Gerste und Wasser zu reichen
und diese mit fein geriebenem Polei zu mischen. Die
Königin gewährte den Wunsch, begrüsste sodann die
Göttin mit freundlichen Worten und fragte, ob sie die
Erziehung ihres Sohnes Demophon, den sie auf dem
Schoosse hatte, übernehmen wollte. Die Göttin willigt
ein und waltet eifrig ihres Amtes, findet Gefallen an
dem Kinde und will es unsterblich machen; Tags über
salbt sie es mit Ambrosia, der Götter Speise, und Nachts
hält sie den Knaben ins Feuer. Zufällig nun sucht ein-
mal des Nachts Metaneira nach ihrem Sohne, trifft die
Demeter bei ihrem Thun und schreit laut auf. Da giebt
sich Demeter als Göttin zu erkennen und spricht8):

7) Auch Baubo, die Amme, wird unter denen genannt, welche
die Göttin erheiterten. (Vgl. Hahn, Demeter u. Baubo. Pogr., Lü-
beck 1897.)

8) Hymm. v. 268 übersetzt Ton Bichard Seelisch in der Fest-
schrift des Erfurt. Gymn. zur Feier der Einweihung des neuen Gym-
nasialgebäudes 1896.
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