Anton, Hugo Saintine
Die Mysterien von Eleusis — Naumburg a. S., 1899

Seite: 41
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Kaub und Diebstahl noch nicht Verbrechen, welche vom
Staate zu ahnden wären, sondern sie sind dem Einzelnen
zur Ahndung- überlassen, sei es, dass er bei Mord Blut-
rache übt oder sich Busse zahlen lässt, wenn nicht der
Mörder es vorzog, sein Vaterland zu verlassen (vgl. auch
Gilbert. Beiträge zur Entwickelungsgeschichte des grie-
chischen Gerichtsverfahrens. Jahrb. Phil. Päd. 1896.
Suppl. S. 447—449 u. S. 505.)

Auch das Fasten begann.47) Die Gläubigen der
Athener — wir nennen sie die Orthodoxen — beachteten
das Ritualgesetz ganze 9 Tage, andere verkürzten die
Zeit, aber alle assen während dieser Zeit nicht am Tage,
sondern nahmen ihre Mahlzeiten vor und nach Sonnen-
untergang. Sie mussten sich dabei enthalten (Diog. Laert.
8, 33; Porphyr, de abstinentia IV. 16) des Fleisches von
Tieren, die an Krankheit gestorben waren, enthalten der
Seebarbe, welche der Hekate heilig war, der Eier legenden
Tiere, also alles Geflügels, und des den athenischen Göttern

47) Man könnte anch annehmen (Anrieh p. 15), dass der Grieche
geglaubt hahe, er sei von unsichtbaren feindlichen Mächten (Dämonen)
umgeben, deren Berührung ihn. sein Haus, sein Feuer und Wasser
verunreinige, und Plutarch sagt, dass die Menschen, um sie zu ver-
jagen, Lärm machen, mit Geschrei den Nacken hin und her werfen,
rohes Fleisch essen, Opfer bringen u. dgl. mehr; aber auch, dass die
Dämonen in den Mysterien eine Eolle spielen, er dürfe jedoch nicht
davon reden, (de defectu oraculorum cp. 14 (Vol. III, p. 508, ed.
Dübner) th-qi (ilv ovv rcöv /ivGrrjQicov, Iv oig rag ^fyiGtag t/j.-
cpäatig nal dtacpuGtig Xcc&iTy iöri xrjg tzzqi 8(Yti.i6vcov dXrj&i-ictg sv-
gtouu fioi v.ti6&G3 v.a& 'IIqöSotov.) Später war die Dämonenlehre
allgemein, man verwandte sie zur Erklärung kirchlicher Gebräuche
und erklärte auch die Sitte des Fastens aus der Vorstellung, dass
der Mensch durch dämonische Mächte verunreinigt sei. „Auch der
Leib", sagt Porphyrius (geb. 233 n. Chr.) ist voll von bösen Dä-
monen. Denn wenn wir Speise zu uns nehmen, kommen sie herbei
und setzen sich im Körper fest. Und deshalb eben die Enthaltungen
((xyvtlctt, vor der Weihe etc.), nicht um der Götter willen, sondern
um diese zu vertreiben" (Anrieh p. 191; Rohde, Psyche, 364 ff.).
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