Anton, Hugo Saintine
Die Mysterien von Eleusis — Naumburg a. S., 1899

Seite: 51
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Nach geraumer Zeit wurde es wieder still, das Volk
geht von der Freude zur Trauer über, man gedachte
der Demeter und ihrer Leiden.64) Jammern und Weh-
klagen durchbrauste die Luft, als Schmerzensrufe der
Mutter nach der Tochter, wehmütig und herzergreifend.
Aber von neuem belebte Freude die Versammlung, als
der Herold verkündete, dass Helios gesagt, wo die Tochter
weile. Die Stimmung wurde ruhiger, man trank den
Kykeon. Dann aber sang man zur Göttin:

„Hochheiliger Orgien Königin
Demeter, steh' uns gnädig bei
Und schirme selber deinen Chor.
Gieb, dass wir ohne Leid und Weh
Heut spielen, tanzen, singen.
Lass uns im Scherz und auch im Ernst
Dein heü'ges Fest begehen froh. —
Ist dann gescherzt nach Herzenslust,
Dann kröne selber voller Huld
Den Sieger mit dem Kranze."

Und nun schwang man von neuem die Fackel, die
Musik setzte wieder ein und rief zu neuem Tanz und Spiel.

So verlief die Festnacht, die Feier des Jakchos.
Es galt für Gottesdienst, Schauspiele aufzuführen; die
Schauspieler bildeten eine gottesdienstliche Kaste, wie
die alten Priestergeschlechter; der Priester aus den Eu-
molpideu und der Schauspieler des z/iövvoog (.lelrtof-iEvog
haben Ehrensessel im Theater, und ein Theater war in
Eleusis.

Es ist deshalb natürlich, dass auch in dieser wie in
den folgenden Nächten für Eingeweihte und Uneinge-
weihte Schauspiele im Theater wie auf improvisierten

64) Das Becken wurde geschlagen, nach 0. Gruppe p. 54 Anm. 9,
zur Abwehr der Unterirdischen, wenn die geraubte Kore aufschrie,
nach E. Gerhard p. 515, um auf den „schauerlichen" Moment hinzu-
weisen, dass Persephone soeben der Unterwelt entsteigt.

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