Anton, Hugo Saintine
Die Mysterien von Eleusis — Naumburg a. S., 1899

Seite: 58
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Hess feierliche ernste Weisen ertönen; die Epopten grup-
pierten sich um den Mysten; der Priester nahm den Su-
chenden die Binde von den Augen und Hess ihn den matt
erleuchteten Saal und die Epopten erblicken, welche so-
fort sich die Hand gereicht hatten und in enggeschlossenem
Kreise um ihn herum im Reigen sich bewegten.77) Dann
erschien die Priesterin der Demeter und Kore und bot
ihnen mit der Daduchin vor der versammelten Gemeinde
den Kykeon = den Mischtrank, wie er. aus Gerstenmehl
und Polei (mentha pulegium) bereitet, von der Königin
Metaneira der Demeter als Labetrunk nach ihrem neun-
tägigen Umherirren gereicht worden war. Nachdem dieser
genossen, verhüllte der Priester das Angesicht wieder.
Tempeldiener kommen und gehen feierlich ernst hin und
her, sie nehmen dann Fackeln in die Hände und zünden
sie an dem Herdfeuer an, das auf dem Altar brennt, denn
die Fackel verkörpert (Diels sibyll. Bücher, 47, 48) die
dem Feuer innewohnende Kraft der Reinigung und fehlt
nicht beim Sühnenkultus. (Toepf. p. 108.) Der Priester
lässt den Aspiranten aufstehen, nimmt ihm die Binde und
das Widderfell ab und hüllt ihn in ein neues reines Linnen-
gewand 7S) (Anrieh p. 213), wie später der Täufling mit

77) Dio Chrysostomus Orationes ed. Dindorf 1857. Or. XII de dei
' cognitione, p. 222 (tom. I, p. 203 M, 387 R): 6%£§bv ow ouolov ctgthq

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zu yiyv6[i£va U.S.W.

78) Vgl. die Sitte der Isis-Mysterien (Apulei. metam. XI ed.
Paris 1796, p. 182 und p. 184) bei der Einweihung tunc semotis proeul
profanis oinnibus, linteo et rudi me contectum amieimine
arrepta manu Sacerdos deducit ad ipsius sacrarii penetralia (d. Ii.
zur tno7tz£icc). Quaeras forsitan satis anxie, studiose lector, quid
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