Anton, Hugo Saintine
Die Mysterien von Eleusis — Naumburg a. S., 1899

Seite: 72
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Und hierin in dem Frommsein gegen Fremdlinge
und eigene Bürger liegt die civilisatorische Bedeutimg
der Mysterien, indem sie das Verhältnis der Menschen
unter einander in sittliche Ordnung zu stellen anfingen.
Nirgends aber ist von Gastmählern und Trinkgelagen
im Jenseits die Bede: solche zu erhoffen, verbietet dem
Griechen ein feineres Gefühl. So hat der Eingeweihte
nach griechischer Anschauung den Tod oder die Unter-
welt mit ihren Schrecken überwunden; er lebt ein ewig
heiteres Leben im Hades und ein neues Leben seines
Gottes voll auf dieser Erde. Und so ist zwar das ewige
Fortleben nicht ein Lohn für das Verdienst des Menschen,
aber es hängt doch mit der sittlichen Bethätigung des
Menschen in diesem Leben zusammen. Und der Einge-
weihte hat die höhere sittliche Lehre zu befolgen.99) In
Allem, sehen wir, stehen auch hier die Fragen im Vorder-
grund, welche die gelehrten Kreise der Theologen und
Philosophen erörtern und welche das Denken und das
Gemüt eines jeden von uns bewegen, die Fragen, woher
wir kommen, was aus uns, aus unserer Seele nach dem
Tode wird, ob und wie wir weiter leben, und ob die

auch 0. Wobbermin, Religionsgeschichtliche Studien zur Frage der
Beeinflussung- des Urchristentums durch das antike Mysterienwesen.
1896, Berlin, ein Buch, das ich nur aus dem Bericht von Preuschen in
der Deutschen Litteraturzeitung 1896, Nr. 8 kenne.

99) Isoer. Archidamos (VI) 59 § 128: iyco öl n?yi6xr]v (juv) r]yov-
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Xov r] fiTv rj xolg c<XXo l g dv & q co tv o ig v7tuQ%Ei. Man meint wohl
auch, Pythagoras habe aus den Eleusinien einige Lehren in seine
Lehre aufgenommen, wie Jambl. de yita Pyth. cp. 28 § 151: tri 8s
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