Anton, Hugo Saintine
Die Mysterien von Eleusis — Naumburg a. S., 1899

Seite: 83
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zu dem Tempelbezirk, der von einer Mauer aus unge-
brannten Lehmziegeln, die auf einem Fundamente und
Sockel von Kalkstein lagen, umfriedigt wurde. Sechs
ionische Säulen nahmen als Front des Thores den Wanderer
auf. dann folgte eine bedeckte Halle, in der er zu jeder Seite
drei dorische Säulen hatte, und weitere sechs ionische,
welche auf der Hinterseite denen der Front entsprechend
standen. Den Fussboden der Halle bildete reiner Marmor,
der auf dem pentelischen Berge gebrochen war, die Platten
hatten sechs Fuss in^Geviert, waren 10 Zoll dick und so
kunstvoll zusammengesetzt, dass man an manchen Stellen
die Fugen nicht sah. Die Decke war eine Felderdecke und
war ebenso wie die Dachziegeln aus weissem pentelischen
Marmor hergestellt. Weithin über die Lande strahlte
der Marmorbau in seinem Glänze. Vor diesen grossen
hadrianischen Propyläen hat Philios im Jahre 1892 den
hadrianischen Brunnen entdeckt, in welchem er viel-
leicht mit Recht den wohlgemauerten schöntanzplätzigen
(xaXU%oQov (pgeaq) Brunnen des Pausanias 1, 38, 6 gefunden
zu haben glaubt, sowie südwestlich von ihm Fundamente
von Gebäuden, die — so kann man vermuten — als Woh-
nungen für die ständige Priesterin, für den Daduchen
und für die Priester im allgemeinen dienten; nordöstlich
ist der Unterbau eines Tempels, den man auch als zu
dem Tempel der Artemis Propylaia gehörig ansieht
(Blümner p. 356). Weiter gelangt man durch ein zweites,
kleineres, aber älteres Thor, welches mit einer nur zwei-
säuligen Vorhalle geschmückt ist und herrliche Säulen-
kapitäle mit Greifenköpfen aufweist, in den inneren
Tempelraum, den wieder eine Mauer einschloss. Diese
Mauer bildete vier Seiten eines unregelmässigen Fünf-
ecks, indem an der fünften Seite schroffe Felsabhänge
waren. Hier begann die Prozessionsstrasse, mit ihrer
aus weissem und blauem eleusinischen Gestein bestehenden

und noch recht gut erhaltenen Pflasterung, die langsam

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