Anton, Hugo Saintine
Die Mysterien von Eleusis — Naumburg a. S., 1899

Seite: 86
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Sünden aus Gnaden vergiebt. Noch ist der Gott nicht der
eine, allmächtige und allgütige, sondern einer von vielen
und der auf den Kreis der Thätigkeit, die ihm die Menschen
zuschreiben, beschränkte. Noch ist der Gott nicht aufge-
fasst als der Vater der Menschen, der mit seiner Gnade
waltet, so dass wir seine Kinder sind und mit allem, was
uns erfreut und bekümmert, zu ihm kommen können, son-
dern er steht noch fern, es fehlt noch das ethische Ver-
hältnis zwischen ihm und den Menschen; man ehrt ihn, aber
man sehnt sich nicht nach ihm, es fehlt das Vertrauen;
die Furcht ist es, welche den Menschen treibt, fromm zu
sein. Alles das weist einen Mangel auf an Vertiefung
des religiösen Gedankens und zeigt in seiner Beschrän-
kung auf Nationalität und auf Mitgliedschaft einen Mangel
an Humanität ; es war eben eine in der Anschauung der
Zeit liegende Engherzigkeit, über welche das gebildete
Volk der Griechen ebensowenig hinwegkam, wie das Volk
der Barbaren. Die Ehrung eines Gottes durch Kultakte
ist noch nicht Anbeten dieses Gottes im Geist und in
der Wahrheit,

Immerhin aber trug der (ceremonielle) Inhalt der
Mysterien dazu bei, dass die Männer, welche wirklich
eifrige Anhänger des Kultus waren, am meisten Opposi-
tion gegen das Christentum machten (Celsus III, 59; VI,
22; VIII, 48) und fast rührend den Untergang der My-
sterien betrauerten. Bis in die Kaiserzeit haben sie sich
gehalten, Julian Apostata (361—363) war der letzte
Kaiser, der sich aufnehmen liess, und Priesterbeamte, wie
Daduchen, werden von 590 vor Chr. bis 365 nach Chr.
als im Amte thätig erwähnt, aber die Gebäude erlitten
manches Leid. Im 2. Jahrhundert nach Chr. zerstörten
die Kostoboken, welche um 175 in Attika einbrachen,
durch Feuer einen grossen Teil derselben (Philios, Athen.
Abteil. 1892, p. 242; Aelius Aristid. Or. Eleusin. I, 256 ed.
Jebb); Theodosius hob mit Gewalt viele Eeste des Heiden-
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