Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 5
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Einleitung.

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Zur besseren Veranschaulichung ist eine Meine Karte mit den betr. Gauen —
der Gau Engilin nur mit dem hierher gehörigen Theile — beigefügt worden (siehe
Beilage I).

Der Wippergau, urkundlich Wippergowe, Wippergo, erstreckte sich vom
Ursprünge der Wipper derselben entlang bis einschliesslich Hachelbich, grenzte gegen
N. an den Helmgau, gegen 0. an den Nabelgau, gegen S. an den Altgau und
den Gau Eichsfelden, gegen SW. an den letzteren resp. Ohmfeld und an den Lisgau
und gegen NW. ebenfalls an den letztgenannten. In demselben lagen mit Ausnahme
von Thalebra, Hohenebra, Oberspier und Niederspier alle Ortschaften der sedes Jecha-
burg, sowie Schersen, und jenseit der Grenzen unserer Unterherrschaft und der sedes
Jechaburg die Orte der sedes Bleicherode.

Der Nabelgau, urkundlich Nabeigowe, wird zum grossen Theile von der sog.
kleinen Wipper*) durchflössen, grenzt gegen N. an die Helme resp. den Helmgau,

Endlich macht sich noch in Bezug auf den Umfang des Altgaues und den des Gaues
Winidon eine Vorbemerkung nöthig:

Von denen, welche über die eben genannten beiden Gaue geschrieben, geben Wersebe und
Böttger a. a. O. denselben einen Umfang, welcher den von ihnen handelnden Urkunden geradezu
widerspricht, dem Altgau einen weit geringeren, als er auf Grund von Urkunden beanspruchen
kann, dem Winidon einen sehr grossen, obwohl nach der einzigen Urkunde, die von ihm handelt
(vom Jahre 979), nur die Orte Bellstedt, Marksussra, Ehrich, Eohnstedt, Neustedt,
Wenigenehrich und Wolferschwenda in ihm lagen. — Dazu, dem Gau Winidon eine solche
Ausdehnung zu geben, lassen sich jene durch den Umstand verleiten, dass Marksussra unter den
Orten desselben genannt wird, und halten unter Wahrung des Grundsatzes: „Gaugrenzen und Diöcesan-
oder Sedesgrenzen decken sich" dafür, dass alle Orte, welche zur sedes Marksussra gehörten, zum
Gau Winidon gerechnet werden müssten. Dabei haben sie aber ausser Acht gelassen, dass sie dadurch
jenen Grundsatz insofern selbst verleugnen, als sie, während von jenen Orten Ehrich und Eohn-
stedt zur sedes Greussen gehören und somit zum Altgau gerechnet werden müssten, auch diese
als zum Gau Winidon gehörig betrachten.

Dagegen hält Wenck a. a. 0. dafür, dass zum Winidon nur die wenigen Orte zu rechnen
seien, welche die Urkunde von 979 als in ihm gelegen bezeichne, und ausserdem etwa noch Blieder-
stedt und Bockstedt, welche nach Urkunden von 956 und 973 im Gau Südthüringen lagen, als
in welchem gelegen nach einer Urkunde von 877 auch Ehrich angeführt werde, welches eine spätere
Urkunde in den Gau Winidon verlege. — Zugleich aber glaubt Wenck, dass Winidon, indem er
ringsum von Orten des Altgaues umschlossen wurde, nur als ein Untergau des Altgaues betrachtet
werden könne. Dieser Ansicht ist auch Stechele: Zur Geographie Thüringens. Zeitschrift des
Vereins für thüringische Geschichte. Jena, 1879, und auch Beferent hält sie für die richtige. —

*) Die sog. kleine Wipp er ist ein ziemlich starker Arm der oben schon erwähnten Wipper,
welcher zwischen Hachelbich und Göllingen aus der letzteren durch ein etwa 2 km langes offenes
Flussbett zu dem zwischen Göllingen und Bendeleben befindlichen Hanfenberge und sodann durch
einen Tunnel unter demselben hinweg in nördlicher Bichtung weiter geleitet wird, bis er etwa 1 km
südöstlich von Bendeleben in einer schluchtartigen Vertiefung zu Tage tritt. — Dieser Tunnel oder
Stollen ist 220 Lachter oder etwa einen halben Kilometer lang und besteht aus neun Schachten:
Kirchschacht, der erste von der Bendeleber Seite aus, Teufelsluchter, Hoheschacht, Loch-
schacht, Wasser- oder Leimenschacht, Baumschacht, Schlammschacht, Wegeschacht
und Klein Schacht. Er ist durchgehends gewölbt und mit steinernen Blatten ausgelegt, hat aber
in nördlicher Bichtung eine so starke Neigung, dass an seinem Endpunkte das Wasser unter ge-
waltigem Brausen herausstürzt. Anfangs behält dieses (die kleine Wipper) die nördliche Bichtung
bei, wendet sich aber bald nordwestlich nach Bendeleben, von da nordöstlich und östlich nach
Frankenhausen und mündet zuletzt in die Unstrut.

Der betr. Tunnel ist ein sehr altes Bauwerk, indem er schon im zwölften Jahrhundert von
Mönchen des Klosters Göllingen angelegt worden sein soll. Der Hauptzweck bei Anlegung desselben
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