Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 12
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Abtsbessingen. — Allmenhausen.

Unter dieser Inschrift befindet sich ein Medaillon, welches die Madonna mit
einer Krone geschmückt und das Christuskind auf dem Arme haltend darstellt (s. Fig. 1).
— Neben demselben sind Bracteatenabdrücke.

Die kleine Glocke von 0,80 m Durchmesser ist zugleich mit der grossen 1775
gegossen worden.

In dem untern Thurmraume befindet sich ein sehr altes aus Holz geschnitztes
Crucifix; die Figur des Gekreuzigten ist in mehr als Lebensgrösse dargestellt, und die
Arbeit verräth eine ziemlich kunstfertige Hand.

In alten Fulda'schen Lehnsbüchern wird zweier Kirchen in A. gedacht, von
denen die eine im östlichen Theile des Dorfes lag. Von dem Gebäude selbst ist nicht
die geringste Spur mehr vorhanden; doch heisst ein Garten an der Stelle, wo sie ge-
legen, noch jetzt der Oesterkirchhof, und ein Brunnen, der sich auf dem freien
Platze vor jenem Garten befindet, führt noch immer den Namen Oesterkirchhofs-
brunnen.

Von den Profangebäuden in A. sind zwei Güter zu erwähnen, die schon,
in alten Urkunden unter den Namen Freihof und Gut vorkommen. Letzteres diente
ohne Zweifel den Besitzern des Dorfes bei gelegentlicher Anwesenheit als Wohnung,
und als solche werden urkundlich zuerst die Grafen von Kirchberg genannt; doch
waren Dorf und Gut bereits in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts im Besitz der
Grafen von Honstein. Denn die Gräfin Sophie von Schwarzburg, geb. Gräfin
von Honstein, erhielt von ihrem Vater, dem Grafen Dietrich, mit andern Gütern
auch das Dorf Abtsbessingen und Zugehörungen als Aussteuer und wurde von den
Oberlehnsherren jener Besitzungen, dem Abt von Fulda und dem Markgrafen von:
Meissen, mit denselben belehnt.. Nach dem Tode ihres Gemahls, 1259, trat die Gräfin
Sophie jene Güter und somit auch Abtsbessingen an ihre Brüder, die Grafen von Hon-
stein, ab; seit 1356 ist A. im Besitz des Grafen von Schwarzburg. Von diesen
wurden mit dem betr. Gute, welches bis 1772 herrschaftlich war, im Laufe der Zeit
belehnt: 1442 die Herren von Germar, 1489 die Ritter von Ebelehen, 1496 die
Herren von Tachrodt, 1567 die Herren von Tettenborn und nach mehrfachem
Wechsel 1728 und 1741 der Prinz August I. von Schwarzburg.

Allmenhausen,

Pfarrkirchdorf mit 668 Einw., Altgau, mit einer fürstlichen Domaine, 20,3 km süd-
westlich von Sondershausen und an der Sondershausen-Langensalzaer Chaussee, liegt
an der nördlichen sanften Abdachung einer nicht unbedeutenden Landhöhe, von welcher
man eine ziemlich weite und schöne Aussicht hat — nach N. auf das Harzgebirge
mit dem Brocken, nach NO. auf die Hainleite mit dem Possenthurm und der
Sachsenburg, nach 0. auf die Finne mit Schloss Beichlingen und nach S. auf
den Thüringerwald, mit dem Inselsberg.

Urkundliche Namensformen: 1133 Almenhusen, 1139 Almenhusin und
später Almenhausen; erst in neuerer Zeit schreibt man Allmenhausen.

Nach dem Dorfe nannte sich eine Familie: von Almenhusen, Almenhusin,
Almynhusin und Almenhausen. Sie scheint ein Zweig der Grafen von Kirchberg
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