Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 20
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Bebra.

Sondershausen, liegt 1 km nördlich vom Dorfe, aber noch in dessen Flur —. B. wird
von dem Flüsschen Bebra durchflössen, welches 3 km südlich davon im sog. Geschling
entspringt.

Die Kirche St. Georgii, urkundlich 1202 ganz mit der Kirche zu Jechaburg
vereinigt und daher im Archidiaconatsregister nicht besonders aufgeführt, ist Filial
von Jechaburg und wurde samt dem Thurme 1700 neu erbaut; letzterer erfuhr 1819
einen Umbau.

Die Kirche besitzt einen sehr werthvollen silbernen und vergoldeten Abend-
mahlskelch (s. Beilage II) von 0,18 m Höhe und 0,10 m obern Durchmesser. Er
hat einen doppelten sechstheilig ausgeschweiften Fuss, der durch eine durchbrochene
Gallerie verbunden ist. Auf einem der sechs Felder, die bis zu dem ebenfalls sechs-
theiligen Knauf fein ciselirt sind, befindet sich unten ein Crucifix; die sechs Knauf-
köpfe haben in silberner Umfassung schwarze Steine mit eingelegten vierblätterigen
goldenen Blumen. Ueber dem Knaufe stehen die Buchstaben: I. H. E. S. V. S. und
unter demselben: M. A. B. I. A.

Von den drei Kirchenglocken mit 0,85,—0,69 und 0,57 m Durchmesser
wurden die grosse 1874 von Gebr. Ulrich in Apolda und die beiden anderen 1844
von Joh. Heinr. Ulrich in Laucha gegossen.

Nach B. eingepfarrt sind: das Chausseehaus im Geschling, die Geschling-
mühle, die Weissmühle, die Eisenhütte, die Teichmühle und eine Ziegelei,
sämtlich südlich von B., eine Ziegelei, eine Dampfsägemühle und der Bahnhof
der Station Sondershausen nördlich, die Pfortmühle und ein Privathaus nord-
östlich von B.

In der Nähe von B. soll 933 einer der beiden Heereshaufen der Hunnen von
den Truppen des Kaisers Heinrich I. geschlagen worden sein — der andere wurde be-
kanntlich bei Merseburg überwunden —. Mehrere Orte, wie der Sülzenborn, das Isar-
thal, der Todtenberg u. a. m. sollen davon den Namen haben; auch sind in den
Aeckern dort mehrfach Streitäxte, Lanzen, Sporen, Hufeisen, Halsschmuck von Pferden
etc. gefunden worden, die von einigen als ebenfalls von den Hunnen, von andern
jedoch als von den Wenden oder Slaven herrührend betrachtet werden.

Wüstung. In der Flur von B., südlich vom Dorfe, lag im sog. Geschling vor-
mals das Dorf Huson, auch Husen geschrieben, von welchem sich aber keine Spuren
mehr vorfinden; doch soll man zu Anfange unseres Jahrhunderts an dem ehemaligen
Standorte desselben die Grundmauern einer Capelle aufgefunden haben.

Das Dorf Huson wird in einer Jechaburger Urkunde von 1128 erwähnt, nach
welcher der Erzbischof Adelbert von Mainz den Tauschvertrag bestätigt, durch welchen
die Kirche zu Jechaburg ihr Gut in dem Dorfe ,,Bercha juxta Wiperam" gegen das Dorf
Huson im Wippergau resp. im Slinck an die Erben des Grafen Kodulf, Markgrafen
der Altmark, abtritt. — In einer andern Jechaburger Urkunde von 1300 heisst es be-
züglich des betr. Dorfes: Die Grafen von Honstein übergeben der Kirche zu Jechaburg
tauschweise 5 Hufen Land im Felde des „wüsten Dorfes Husen".
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