Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 23
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Bendeleben.

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Bendeleben,

Pfarrkirchdorf mit 1011 Einw., Nabelgau, mit einem Rittergute, 12,5 km. öst-
lich von Sondershausen, liegt an der Sondershausen-Frankenhäuser Chaussee und an
der sog. kleinen Wipper (vergl. Einleitung), welche am östlichen Ende des Dorfes
vorüberfliesst und daselbst den kleinen Bach aufnimmt, welcher das Dorf durchfliesst.

Urkundliche Namensformen: 874 Bendeleba, 1136 Bendeleve, 1243 Bente-
leibe, Benteleuba, 1339 Bendeleiben und Bendeleyben.

Nach dem Dorfe B. nannte sich ein in demselben begütertes Rittergeschlecht.
Urkundlich aufgeführte Glieder desselben sind: Ascuit von B., libera femina, welche
1136 dem Erzstift Mainz vier Hufen Land in „Bendeleve" übergiebt; Bertha, die Wittwe
Ewald's von B., welche 1211 zur Hofmeisterin der vierjährigen Prinzessin Elisabeth
von Ungarn ernannt und beauftragt wird, dieselbe aus Ungarn nach Thüringen zu
geleiten. Von den männlichen Gliedern jenes Rittergeschlechts kommen im 13. und
14. Jahrhundert viele als Zeugen und Burgmänner vor; ein Glied, Eilolfus von B.,
ist 1303 Mönch im Kloster Göllingen. — Ihre Güter zu B. besassen sie zuerst nur
als Lehen der Grafen von Beichlingen, später wurden ihnen Dorf und Schloss ver-
pfändet, und endlich wurden sie mit denselben erblich belehnt (s. unten Profangebäude).

Die Kirche St. Pancratii, sedes Frankenhausen, gutsherrlichen Patronats,
auf einer kleinen Anhöhe gelegen, ist sehr alt und erfuhr, wie die Inschrift auf einem
an ihrer äussern Südseite eingemauerten Steine besagt, bereits 1588 eine bedeutende
Reparatur oder auch einen Umbau. Diese Inschrift ist:

DOMINI DOMVS HAEC NOBILISSIMIS HERMANNO ET CHRISTOPHORO ET EGEL-
VOLFFIO FRATRIBVS ET TILONE A BENDELEBEN LOCI HVIVS ILEREDITARIIS
OPERIS FORMAM ORDINANTIBVS ECCLESIA SVMTVM FACIENTE AEDIFICATA
EST. ANNO 1588.

Die Kirche ist geräumig und hell, und ihr Inneres gewährt besonders seit der
Renovation im Jahre 1862 einen äusserst freundlichen Anblick. Dazu tragen zugleich
die schönen und werthvollen Kunstdenkmäler bei, an denen sie überaus reich ist. Da-
hin gehören zunächst der Altar und die Kanzel (s. Beilage IV).

Der Altar ist mit zwar einfacher, aber schöner Holzschnitzerei versehen,
besonders aber zeichnet sich die in der Altarnische befindliche Einsetzung des
heiligen Abendmahls aus. — Nach einer Inschrift an dem Altar wurde derselbe
von Brigitte von Bendeleben, geb. von Rüxleben, hinterlassener Wittwe Jacob's
von B. (gest. 1590), zum Andenken an ihren Junker errichtet.

Etwas seit- und rückwärts vom Altar steht rechts und links eine Säule, jede
mit drei Wappenschildern geschmückt, jene, auf welcher ein Ritter kniet, mit den
Wappen der Ritter von Bendeleben, von Schlotheim und von Marschalk,
diese, auf welcher eine Nonne steht, mit den Wappen der Ritter von Rüxleben,
von Kutzleben und von Hopfgarten.

Die Kanzel, zwischen Altar und Epitaphium freistehend, ist ebenfalls mit Holz-
schnitzereien versehen und stammt aus dem Jahre 1611. Rechts von dem Kanzelpulte
steht am Ende der Brüstung ein Kreuz, welches mosaikartig aus Perlmutter zusammen-
gesetzt ist und zur Unterlage ein Kreuz von Cedernholz hat. Dasselbe stammt
aus dem Orient und wurde der Kirche vom Baron Hermann von Uckermann verehrt.
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