Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 27
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ßilleben.

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dem Grafen Christian von Rothenburg oder einem Grafen von Kirchberg streitig
gemacht. Durch Vermittelung des Erzbischofs von Mainz vertauschte das Stift jenes
Vorwerk an die Erben des Grafen Rodulf, Markgrafen der Altmark, gegen das
Dorf Huson im Geschling. Vergl. Bebra.

Von jenem Vorwerke oder Schlosse ist keine Spur mehr vorhanden. Als das-
selbe in den Besitz der Grafen von Schwarzburg gekommen war, belehnten diese
mit demselben im Laufe der Zeit die Herren von Rüxleben, von Sondershausen,
von Bessingen u. a. m. Besonders waren die letztgenannten lange Zeit im Besitz
jenes Lehngutes. —

Aus den einst zum betr. Vorwerk gehörigen Ländereien und anderen Gütern besteht
der Complex der jetzigen fürstlichen Domaine.

Billeben,

Pfarrkirchdorf mit 202 Einw., Altgau, 17,2 km südöstlich von Sondershausen, wird von
der von Sondershausen nach Langensalza führenden Chaussee durchschnitten und von
einem kleinem Bache durchflössen.

Urkundliche Namensformen: 1130 Beheleven, 1253 Bileybin, 1268 Billeiben,
1300 Byeleyben, 1306 Billeyben und 1308 Bylleiben.

Die Kirche St. Petri, sedes Marksussra, ist klein und alt, doch im Innern
hell und freundlich. Im Jahre 1656 war sie so baufällig, dass der Graf Ludwig
Günther I. von Schwarzburg-Ebeleben befahl, sie wieder in guten Stand zu setzen,
zugleich aber zur Unterstützung der Gemeinde nicht blos in seinem — dem ebeleber —
Landestheile eine Collecte ausschrieb, sondern auch seinen Bruder, den Grafen Anton
Günther I, ersuchte, eine solche auch in seinem — dem sondershäuser — Landes-
theile gestatten zu wollen.

An heiligen Gefässen besitzt die Kirche einen werthvollen silbernen und
vergoldeten Abendmahlskelch und eine eben solche Patene.

Von den drei Kirchenglocken mit 0,98—0,82 und 0,53 m Durchmesser ist
die kleine ohne Inschrift und ihrer Form nach alt; die grosse wurde 1844 von E.
Rümpel und die mittlere 1799 von Joh. Lorenz Koch, beide zu Mühlhausen, gegossen.

Das Dorf B. gehörte im elften Jahrhundert den Grafen von Gleichen; 1130
trat aber die Gräfin Heilinburgis von Gleichen dasselbe zugleich mit dem Dorfe
Mehrstedt gegen das Dorf und wüste Schloss Völkenrode an den Landgrafen Ludwig
von Thüringen ab, um letzteres in ein Kloster zu verwandeln. — Im Jahre 1265
kaufte der Ritter Albert von Ebeleben das Dorf B. von den Landgrafen von
Thüringen, nachden das Voigteirecht über dasselbe schon vorher von den Herren von
Herbsleben käuflich an die von Ebeleben gekommen war. Im Jahre 1268 schenkte
Albert von Ebeleben das Dorf B. mit allen Einkünften dem Kloster Völkenrode
unter der Bedingung, dass dasselbe die Emolumente von jenem Dorfe alljährlich zu
bestimmten wohlthätigen Zwecken verwenden solle; 1308 kauften jedoch die Gebrüder
Ludolph von Ebeleben B. um 300 Mark zurück, und von da bildete es einen Theil
der Herrschaft Ebeleben, bis es mit dieser 1597 resp. 1616 in den Besitz der Grafen
von Schwarzburg kam.
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