Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 29
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Clingen.

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Clingen,

Stadtflecken mit 1121 Einw., Altgau, mit einer fürstlichen Domaine, 21,8 km südöstlich
von Sondershausen, wird von einem kleinen Arme der sog. preussischen oder schwarz-
burgischen Helbe, theils um-, theils durchflössen — dieser Arm, die Kupferhelbe
genannt, wird durch einen offenen Kanal dahin geleitet, aber der Theil, welcher durch
den Stadtflecken fliesst, erhält daselbst den Namen Klinge — und liegt am linken
Ufer der sog. sächsischen Helbe.

Bezüglich seines Namens ist zu bemerken, dass der Stadtflecken nicht immer
den jetzigen Namen hatte, vielmehr früher und namentlich in den von 1247 bis 1353
vorkommenden Urkunden mit zwei anderen Ortschaften, von denen die eine östlich,
die andere westlich davon liegt, den gemeinsamen Namen Gruzin führte. Während
die erwähnten beiden Orte zur näheren Bezeichnung die Namen Mart-Gruzin (Markt-
greussen) und West-Gruzin (Westgreussen) erhielten, wurde unser Ort zur Unter-
scheidung von jenen Kling-Gruzin oder Clincgrussen, d. h. Gruzin an einem frischen
Quell — Klinge — genannt. Nach der Zeit findet man neben Klinggruzen und Cling-
grussen gewöhnlich Clingen — 1049 Clyngen —, welches bald der ausschliessliche
Name wurde.

Die Kirche St. Gumberti, sedes Greussen, soll 1208 erbaut worden sein und
drei Altäre — den hohen Altar, den St. Gehülfen- und Unserer-Lieben-Frauen-
Altar — gehabt haben. Im Laufe der Zeit hat man mehrmals bedeutende Reparaturen
mit derselben vorgenommen; bei der 1840 stattgehabten wurde auch der alte Thurm
zur Hälfte abgetragen und neu aufgeführt, und 1881 erfuhr die Kirche im Innern eine
durchgreifende Renovation und Verschönerung.

An heiligen Gefässen besitzt die Kirche, welcher 1689 die alten kostbaren
Abendmahlskelche, der Kirchenschmuck etc. gestohlen wurden, eine werthvolle silberne
und vergoldete Hostiendose, welche mit feinem Blätterwerk verziert ist. Auf dem
äusseren Boden hat sie die Inschrift: Mart. Euseb. Mühlhausen, Oculist, Wund-
und Schnidtarzt. 1694 — ; ferner eine grosse Abendmahlsweinflasche mit einem
Schraubedeckel, welche fein ciselirt ist und die Inschrift hat: R. R. K. 1694.

Von den vier Kirchenglocken wurde die grosse mit 1,34 m Durchmesser 1874
von C. Friedr. Ulrich zu Apolda gegossen, und die zweitgrösste von 1,16 m Durch-
messer hat die Inschrift:
CONSOLOR VIVA FLEO MORTVA PELLO NOCIVA ° LORENTZ
GVNTZLE VND HERMAN KONIGK ° ANNO 1597.

Unten um den Kranz der Glocke herum stehen folgende Worte:
VNIGENAM NATVM SCELEROSVM MISIT IN OFBEM * IN MISEROS
PATRIO AMORE DEVS * MORTE SVA NOSTRAM REPARARET VT
ILLE SALVTEM * TRADITA PRO NOBIS VICTIMA QVANDO FVIT*
JOHANAM * 3 * WOLFGANGVS BVCHNER PFARHER * *

Zwischen den beiden Inschriften dieser Glocke befindet sich auf der Vorder-
und Rückseite derselben je ein Medaillon mit einer männlichen Figur; die eine (s.
Fig. 7) hält in der linken Hand eine Traube und in der rechten wahrscheinlich ein
Messer, jedenfalls ein Instrument zum Abschneiden der Trauben und soll ohne Zweifel
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