Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 30
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Clingen.

den Noah vorstellen, eine Hindeutung auf den um jene Zeit in Clingen eifrig betriebenen
Weinbau; die andere (s. Fig. 8; stellt einen Geistlichen vor, der, indem er in der
einen Hand einen Kelch hält und die andere segnend über denselben ausstreckt, an
den religiösen Genuss des Weines erinnern soll.

Die dritte Glocke von 0,89 m Durchmesser wurde 1823 von Braun in Wasser-
thaleben und die kleinste von 0,68 m Durchmesser wurde 1718 von Sorber und Geyer
in Erfurt gegossen.

Nach Cl. sind die Neumühle und die Pfaffenhofmühle eingepfarrt.

Ausser der Kirche St. Gumberti befand sich in Clingen vormals noch eine
Capelle, capella St. Andreae ante Castrum, wie sie im Jechaburger Archidiaconats-
register bezeichnet wird. In derselben waren zwei Vicarien, vicaria St. Johannis
evangeliste und vicaria Sanctorum Gumberti, Beate Virginis et Nicolai.
Diese Capelle hatte ihren eigenen Vicar, der zugleich den Gottesdienst in Westgreussen
zu besorgen hatte. Eine Strasse östlich von den Seitengebäuden der Domaine, also
in der Nähe des ehemaligen Schlosses, führt noch heute den Namen Vicariengasse;
wahrscheinlich lag in derselben die Dienstwohnung des erwähnten Vicars.

Bis zum Jahre 1509 war die Kirche St. Gumberti die Mutterkirche von der zu
Westgreussen; in dem erwähnten Jahre erhielt letztere einen eigenen Pfarrer in der
Person des Vicars an der Capelle St. Andreae vor dem Schlosse zu Cl. und zwar unter
der Bedingung, wöchentlich eine Messe in der genannten Capelle zu halten.

Profangebäude. An der Westseite des Stadtneckens Cl. lag früher eine
ziemlich umfangreiche Burg (Schloss) mit einem hohen Thurme. Der ganze Raum,
den einst diese Burg mit ihren Nebengebäuden einnahm, lässt sich theilweise noch
deutlich an dem ringsum befindlichen, jedoch, ein kleines Stück ausgenommen, niedrigen
Gemäuer erkennen; der Thurm aber ist gänzlich abgebrochen worden. Das Ganze war
von einem tiefen Wallgraben umgeben, der theilweise noch vorhanden und mit Wasser
gefüllt ist.

Zu dieser Burg wurde von dem Grafen Heinrich II. von Honstein, Herrn
zu Sondershausen, wenigstens der Grund gelegt, nachdem er in der ersten Hälfte
des dreizehnten Jahrhunderts von dem Landgrafen Albrecht von Thüringen mit
den Dorfen Greussen (Mart-, Cling- und Westgreussen) belehnt worden war und 1260
die Erlaubniss erhalten hatte, in den beiden letztgenannten Orten Burgen zu bauen;
nach ihrem bedeutenden Umfang zu urtheilen, hat aber Graf Heinrich sie wahrscheinlich
nicht ganz vollendet.

Im vierzehnten Jahrhundert kamen Stadtflecken und Schloss in den Besitz der
Grafen von Schwarzburg, die von da an auf dem letztern öfters Hof hielten. Als
dasselbe gegen die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts baufällig zu werden anfing,
beschloss der damalige Graf Günther XL., östlich von demselben ein neues Schloss,
und zwar, wie der Augenschein lehrt, nach einem bescheidenen Massstabe zu erbauen.
Obwohl der Grundstein zu demselben bereits 1542 gelegt wurde, so ging der Bau doch
nur langsam von statten, indem gleichzeitig zu Sondershausen der Neubau des Residenz-
schlosses in Angriff genommen worden war; 1547 wurde, um Baumaterial zu gewinnen,
der Thum ganz und vom alten Schlosse ein Theil abgetragen. Als aber 1552 Graf
Günther XL. starb, scheint der Weiterbau zunächst eingestellt worden zu sein. Doch
muss in den siebziger Jahren das Wohnhaus wenigstens ziemlich fertig gewesen sein,
indem der Graf Hans Günther 1577 und 1578, während welcher Zeit zu Sonders-
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