Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 32
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/apfelstedt1886bd1/0050
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
32

Ebeleben mit Marksussra.

Urkundliche Namensformen des Ortes sind vom 12. bis zum 16. Jahrhundert:
Ebeleiben, Ebeleuben und Ebeleybin. — Nach dem Orte nannte sich ein Adels-
gescblecht, die Ritter von Ebeleben resp. Ebeleiben, Ebeleuben, Ebeleybin und
Eveleiben. — Vergl. das unten bei „Schloss zu Ebeleben" über sie Mitgetheilte. —

Die Kirche St. Bartholomaei, sedes Marksussra, liegt an der Südvvestseite
des Orts auf einer kleinen Anhöhe, zu welcher drei steinerne Treppen führen. Sie ist
schon alt, erfuhr aber 1702 einen bedeutenden Umbau. Durch eine vor wenigen
Jahren stattgefundene Kenovation wurde ihr Inneres sehr geschmackvoll hergestellt.

In derselben befinden sich mehrere Epitaphien, unter denen sich sowohl durch
seine Grösse, als auch durch seinen Kunstwerth das des Ritters Hans von Ebeleben
und dessen Gemahlin Magdalena, geb. Pflugin von Lamperswalde, auszeichnet
(s. Beilage VI). Dasselbe befindet sich in dem unteren Kreuzgewölbe des Thurmes.

Hinter dem Altare steht das Grabdenkmal der Prinzessin Friederike
Auguste, geb. 1723, gest. 1725, der ältesten Tochter des Prinzen August I. von
Schwarzburg. Mitten über der Inschrift steht die aus dem Himmelsgewölbe herab-
leuchtende Sonne, rechts von derselben blicken Engel, links leuchten Sterne aus dem-
selben hervor. Neben der Inschrift steht an beiden Seiten je ein Engel; der rechts hält
die über der Inschrift befindliche Fürstenkrone, der links zeigt mit der Hand gen Himmel.

An der Südseite der Kirche befindet sich ein Anbau mit dem vormals gräflichen,
jetzt fürstlichen Erbbegräbniss und der davor gelegenen Sacristei. Dieser Anbau
wurde unter dem Grafen Christian Günther I. (gest. 1642) ausgeführt und erfuhr
1884 eine durchgreifende Restauration. Zu dem Begräbnissgewölbe führt jetzt von der
Sacristei aus eine eiserne Wendeltreppe; in demselben stehen zwei Särge: der mit
wohlerhaltener goldener Inschrift versehene kupferne Sarg der Gräfin Anna Juliane,
geb. 1613, gest. 1652, der ältesten Tochter des Erbauers, und der Sarg des Pürsten
Günther Friedrich Carl I., geb. 1760, gest. 1837.

Unter den heiligen Gefässen der Kirche zeichnen sich ein silberner und ver-
goldeter Abendmahlskelch und eine eben solche Hostiendose (s. Beilage VII)
durch ihren Kunstwerth aus. Jener, von 0,20 m Höhe und 0,10 m obern Durchmesser,
hat einen sechseckigen Fuss, auf dessen fein ciselirten Feldern sich glatte Blätterranken
erheben. Der Kelchstamm hat drei Knaufe; der untere mit sechs leeren Nischen und
der obere sind sechseckig, der mittlere ist rund und mit muschelförmigen Bogen ver-
sehen. — Die Hostiendose, von gothischer Stilform, hat einen viereckigen Untersatz
mit acht Nischen und ist 0,6 m hoch, während der thurmartige Deckel eine Höhe von
0,13 m hat.

Von den vier Kirchenglocken mit 1,27,—1,5—0,80 und 0,55 m Durchmesser
zeichnet sich die zweitgrösste durch ihr Alter und ihre Inschrift aus (s. Fig. 9).

Fig. 9.
loading ...