Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 36
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Ebeleben mit Marksussra. — Feldengel.

Das Kloster, von dem Gründer und dessen Söhnen reich dotirt, gelangte bald
in den Besitz grosser Einkünfte, indem ihm Bullen'verliehen wurden, nach welchen es
allen Wohlthätern desselben reichen Ablass verleihen konnte, und wurde so bedeutend,
dass es zum Sitze eines Erzpriesterthums im Archidiaconat Jechaburg erhoben
ward. Als solchem waren ihm die Kirchen und Capellen der ganzen Umgegend unter-
worfen. Vergl. Einleitung.

Das Kloster bestand bis zur Mitte des sechzehnten Jahrhunderts. Nachdem es
nämlich im Bauernkriege (1525) sehr gelitten hatte, ja zum Theil verwüstet worden
war, auch bereits mehrere Stellen des Convents unbesetzt waren, hob Hans von
Ebeleben, welcher 1544 nicht blos selbst lutherisch geworden war, sondern die Kefor-
mation auch in seiner Herrschaft eingeführt hatte, dasselbe auf, liess die wenigen noch
vorhandenen Klosterjungfrauen bis zu ihrem Tode verpflegen und verwandte den grössten
Theil der Klostereinkünfte dazu, zu Ebeleben die oben erwähnte Stiftsschule ins Leben
zu rufen. — Von den Klostergebäuden ist keins mehr vorhanden.

Feldengel,

Pfarrkirchdorf mit 321 Einw., Engilin, 18,9 km südöstlich von Sondershausen, liegt an
der südlichen sanften Abdachung einer Hochebene.

Der Name dieses Dorfes, wie der dreier anderer Dörfer mit der Endung engel,
Wester-, Kirch-und Holzengel, hat in alten Urkunden eine verlängerte Form: engilin,
engilda, engelde und engele, und demgemäss findet man den Namen unseres Dorfes
geschrieben: 1200 Veltengelde, 1411 Veilt Engele, 1417 Veit Engelde, 1420
Veit- und Veld Engelde, 1467 Eeldtengilde. — Ueber diese Dörfer und den
Gau Engilin vergl. Einleitung.

Die Kirche St. Matthaei, sedes Greussen, ist 1771 neu erbaut worden, wie
aus der Inschrift auf einem Steine an der äusseren Südseite derselben erhellt; zugleich
steht auf jenem Steine der Spruch Pred. Salom. IV. 17.: Bewahre deinen Fuss etc.

Das erste Kirchengebäude dort war eine kleine Capelle, welche aus dem unteren
Kreuzgewölbe des Thurmes und einem östlichen, ebenfalls mit einem Kreuzgewölbe
versehenen Anbau bestand. Später, vielleicht 1497 oder auch erst 1561 — beide
Jahreszahlen befinden sich über resp. neben dem Eingange zum Gottesacker — erweiterte
man das Kirchengebäude nach W. hin, das Kreuzgewölbe des Thurmes wurde Sacristei
und der Gurtbogen des Thurmes nach dem östlichen Theile der Capelle hin zugemauert.
Letzterer ist noch vorhanden, besteht aus sehr starken Mauern, aber von seinem
Kreuzgewölbe sind nur noch die vier Consolen oder Kempfer - Gesimse erhalten.
Von den vier langen und schmalen gothischen Fenstern, die sich früher in diesem
Theile der Capelle befanden, sind die drei an der Ostseite zugemauert, das vierte an
der Südseite ist unverändert geblieben. Durch diesen Anbau führt jetzt der Weg zum
Thurme.

Die drei Kirchenglocken von 1,21—0,82 und 0,64 m Durchmesser sind
sämtlich alt; die grösste und älteste hat folgende Inschrift:
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