Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 37
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/apfelstedt1886bd1/0059
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Feldengel. — Greussen.

antra o m ° um g xn | iott o I|tlf o gaf o mattia ° arnta § tmlfoim ° 0*itfetmt °
ptehatms g fanget o lattptffe ° rm>)fett ° pam>l ° roasf

Unter dieser Inschrift befinden sich drei Medaillons: auf der Vorderseite die
Madonna mit dem Christuskinde auf dem Arme und daneben ein Heiliger, ein Buch
an die Brust drückend — beide Figuren sind beim Guss etwas missrathen und darum
zur Aufnahme nicht geeignet — ; auf der Rückseite ist die heilige Anna selbdritt
mit dem Christuskinde auf dem rechten und der Maria auf dem linken Arme (s. Fig.
11). Jedes Medaillon ist von vier Bracteatenabdrücken umgeben.

Die mittlere und kleine Glocke wurden 1686 von Joh. Heinrich Bausch in Erfurt
gegossen.

Greussen,

Stadt mit 3489 Einw., Altgau, 22 km südöstlich von Sondershausen, Station der Nord-
hausen-Erfurter Eisenbahn und von der Sondershausen-Erfurter Chaussee durchschnitten,
liegt in einer Tiefebene, deren Untergrund Süsswasserkalk oder Tuffstein ist, und an
der sog. sächsischen Helbe, deren Hauptarm an ihrer Südseite vorüberfliesst, während
ein Nebenarm derselben die West-, Nord- und Ostseite der Mittelstadt umfliesst; der
sog. Steingraben, die wilde Helbe, trennt die Mittelstadt von der Neustadt.

Urkundliche Namensformen: 874 Crichigruzzi*), bei Dronke ohne Jahres-
angabe Giruzzen, 1111 Gruze, 1127 Gruzin (vergl. Clingen), 1233 Grussin, 1260
Marctgrutzen, 1272 Gruzen, 1277 Marketgruzen, 1530 Martgrussen, 1390
Mart-Grüssin, 1398 Martgrussen und Martgruzen, 1411 Marthgrussin, 1446
Grüssen, 1461 Greussen, 1477 Martgrussen; im Volksdialekt: Grissen.

Nach dem Orte nannte sich ein Adelsgeschlecht, von welchem weiter unten
Näheres mitgetheilt werden wird.

*) Der Name Crichigruzzi ist der Urkunde entnommen, durch welche der König Ludwig
874 dem Kloster Fulda den Bezug des Zehnten in mehreren Orten Thüringens bestätigt. In den
traditiones Fuldenses, von Schannat edirt, lesen wir Crichigruzzi, aber in dem correcteren Ab-
drucke jener Urkunde bei Dronke ist der Name in zwei Worte getrennt geschrieben: Crichi und
Gruzzi, und Crichi ist jedenfalls, wie auch Hofrath Hesse-Rudolstadt bei Ersch und Gruber an-
nimmt, aus Erichi (Ehrich) verderbt. - Crichigruzzi erklären die Chronisten, welche es nur als einen
Namen betrachten, als Kirchgreussen. — Was aber, um dies hier noch beizufügen, den Namen
Gruzzi selbst betrifft, so gibt es eine Ableitung desselben, die, so wenig stichhaltig auch oft solche
Namensableitungen sind, nicht uninteressant ist. Jacob Wey mar, ein Greussenser Stadtkind, Hl.
Eegim. Schwartzb. Sond. Advoc. ordin. et. El. Sax. immatr., sagt nämlich in seinem Werkchen:
„Kurze Untersuchung von den Rathscollegiis, sowohl überhaupt, als auch insbesondere der Stadt
Greussen, Erfurt, 1740" Greussen hat seinen Namen* von Creuz, crux, thüringisch crüz, und dazu
hat die 731 von Bonifacius bei den sog. drei Linden gegründete und dem heiligen Creuz gewidmete
Capelle Anlass gegeben. Bis 1594 sei der Herbstmarkt daselbst auf Kreuz-Erhöhung gehalten
worden. — Die Märkte wurden allerdings lange Zeit zu Ehren der Schutzheiligen der Kirchen ge-
halten, und so war nach Ansicht Jacob Weymar's jener Markt ein solcher Kirchmessmarkt. — Dem-
gemäss hätte Greussen diesen seinen Namen erst im achten Jahrhundert erhalten und hatte, da es
schon vorher bestand, früher einen anderen Namen. —
loading ...