Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 41
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Greussen.

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in Gr. Der Sage nach war es vormals ein Kloster; doch hat man von ihm als solchem
nicht die geringste Kunde. Seinen Namen hat es wahrscheinlich dadurch erhalten,
dass es zur Zeit, als in der Flur von Greussen Farbekräuter gebaut wurden, für Waid
und dergleichen als Niederlage diente. An seiner Stelle ist in jüngster Zeit ein neuer
Fruchtspeicher errichtet worden.

Die ältesten Bauten und Bauwerke der Stadt sind aber unstreitig die Stadt-
mauern und die auf denselben errichteten Thürme. Dieselben Hess der Graf Hein-
rich II. von Honstein, in dessen Besitz Gr. in der ersten Hälfte des dreizehnten
Jahrhunderts gekommen war, um die ganze Mittelstadt aufführen, vor denselben Wall-
gräben aufwerten und die Zugänge zu dem in solcher Weise befestigten Theile der
Stadt mit Thoren und Zugbrücken versehen. Die Mauern sind, wenn auch nicht in
ihrer ursprünglichen Höhe, noch erhalten, von den Thürmen jedoch ist, den nach innen
offenen Unterbau ausgenommen, keiner mehr vorhanden, und die Wallgräben sind aus-
gefüllt und mit Obstbäumen bepflanzt.

Wenn gleich der oben erwähnte Bericht einiger Chronisten, dass das erste Ge-
bäude von Gr. eine Burg und diese das Stammhaus der ersten Herren der neuen
Ansiedelung, der Ritter von Greussen, gewesen sei, sich, wie nachgewiesen, als eine
blose, durch nichts bestätigte Vermuthung erwies, so steht doch urkundlich fest, dass
es ein Rittergeschlecht von Greussen gegeben. Dasselbe trat aber erst im drei-
zehnten Jahrhundert auf, und seine Wiege scheint nicht in Nordthüringen, sondern in
dem damals nur in Südthüringen liegenden Schwarzburg gestanden zu haben. Zuerst
kommt in einer Urkunde des Klosters Völkenrode von 1229 Reinardus de Grucen
vor: 1233 nennen sich Gundelous und Reinardus theils de Schwartzburgk,
theils de Grucen, und 1247 traf Graf Dietrich von Honstein einen Tausch bezüg-
lich eines Weinberges und eines Garten zu Greussen, welche die Kirche daselbst von
einem gewissen Reinhard von Schwartzburgk resp. von Grucen gekauft hatte.
— Den Namen von oder de Schwartzburgk führten die Genannten jedenfalls nach
ihrem Geburtslande. — Vom dreizehnten bis zum sechzehnten Jahrhundert finden wir
die Herren von Gr. in mehreren Orten der heutigen Unterherrschaft und der Um-
gegend, besonders aber in der Oberherrschaft begütert; doch widmeten sich auch einige
Glieder derselben dem geistlichen Stande: so war Johannes de Grussen 1389 Prior
des Klosters Pforte und Ernfridus de Grussen 1391 Vicar im Stift Jechaburg.

Greussen wurde nach der allgemeinen Annahme bereits im sechsten Jahr-
hundert von den Sachsen gegründet, nachdem diese nach dem Untergange des König-
reichs Thüringen (vergl. Einleitung) in den Besitz von Nordthüringen gekommen waren.
Nächst Sondershausen und der Sachsenburg mag Gr. eine der ersten Ansiedelungen
der Sachsen im neuerworbenen Lande gewesen sein, und sicher haben wir dort, wo
die Altstadt liegt, den Anfang derselben zu suchen, und zur Wahl jener Gegend ver-
anlasste ohne Zweifel die dort in nächster Nähe vorüberfliessende Helbe.

Als eine Gründung der Sachsen mag Gr. wohl längere. Zeit unter sächsischen
Statthaltern gestanden haben; nachher finden wir es in dem Besitz der Franken und
später in dem der Landgrafen von Thüringen, welche ums Jahr 1241 mit dem-
selben die Grafen von Honstein, Herren zu Sondershausen, belehnten. Bis
dahin war Gr. ein Dorf gewesen, die neuen Besitzer erhoben es zur Stadt und Hessen
den mittleren Theil, die Mittelstadt, mit Mauern, Wallgräben etc. versehen. Diese
Befestigungen der Stadt waren wahrscheinlich auch der Grund, weshalb, wie bereits
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