Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 42
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/apfelstedt1886bd1/0066
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
42 Greussen. — Grössbrüchter.

berichtet, der Landgraf dem Grafen Heinrich nicht sogleich gestattete, daselbst eine
Burg zu bauen. — Im Jahre 1356 fiel mit der betr. Grafschaft Honstein auch
die Stadt Gr. den Grafen von Schwarzburg als Erbe zu und ist ihnen verblieben.

Als Stadt erhielt Gr. auch ein Stadtwappen. In dem Siegelstempel desselben
wird der heilige Martin zu Pferde sitzend dargestellt, wie er mit seinem Schwerte
ein Stück von seinem Mantel abschneidet und es einem Armen reicht; nachdem die
Stadt schwarzburgisch geworden war, nahm sie noch den Löwen als schwarzburgisches
Hoheitszeichen in dasselbe auf.

So lange Gr. ein Dorf war, betrieben die Einwohner, aufgemuntert durch die
Lage des Orts in fruchtbarer Gegend, wohl vornämlich Ackerbau, wozu später auch
Weinbau Und die Cultur von Waid und anderen Farbekräutern kam; als das
Dorf zur Stadt erhoben war, trat zu der früheren Beschäftigung der Bewohner eine
nach und nach immer umfangreichere Gewerbthätigkeit.

Wüstungen. Etwa 3 km östlich von Greussen ist die Wüstung von dem
Dorfe Röllhausen, urkundlich 1224 Röledehusen, 1358 Ruldehus, 1479 Rul-
husen, später Roihausen, Rullhausen und Rüllhausen, dessen Flur an Greussen,
Grüningen uud Ottenhausen gekommen ist, nach welchen Orten sich die Einwohner
des untergegangenen Dorfes geflüchtet haben werden. Dieses Dorf ist jedoch nicht,
wie man hier und da angegeben findet, im Bauernkriege (1525) zerstört worden,
sondern es war nach einer Reinhardtsbrunner Urkunde bereits 1358 eine Wüstung;
denn es heisst in jener Urkunde, dass der Abt Wilhelm jenes Klosters etlichen
Bürgern zu Greussen einen Theil des Gotteshauses zu Ruldehus, da ein Vorwerk
gewesen sei, mit allen Nutzungen abgegeben habe. — Nach einer Urkunde von 1479
wurde zwischen dem Abt Nicol von Reinhardtsbrunn und dem Grafen Hein-
rich von Schwarzburg verabredet, dass der Rath von Greussen die Beschwerungen
abstellen solle, welche des Geschosses wegen auf die Güter zu Rulhusen gelegt worden
wären, aber wie Olearius in seiner thüringischen Chronik berichtet, wurde der
fünfzigjährige Hader der Stadt Greussen mit den Ottenhäusern wegen der Flur des
zerstörten Dorfes Roihausen erst 1523 durch Herzogs Georg von Sachsen und
des Grafen Günther von Schwarzburg Abgeordnete vertragen und die Fluren
versteinigt. — Von dem Dorfe selbst ist keine Spur mehr vorhanden.

Südwestlich von Gr., vordem sog. Ritterthore, ist die Wüstung Pfaffenhausen,
die von einem Dörfchen dieses Namens herrühren soll. Der dort belegene Kirchberg
hat der Sage nach seinen Namen davon erhalten, dass auf demselben die Kirche von
Pf. lag. In der Nähe dieses Berges ist man noch in neuerer Zeit beim Pflügen auf
Gräber und menschliche Gebeine gestossen, was jene Sage zu bestätigen scheint. Von
etwaigem Mauerwerk findet sich dort nichts vor.

Grössbrüchter,

Pfarrkirchdorf mit 686 Einw., Altgau, mit einem Rittergute, 24,2 . km südwestlich von
Sondershausen, liegt in der Senkung einer Hochebene, die nach S. ziemlich stark abfällt;
das Oberdorf wird von der Keula-Ebeleber Chaussee durchschnitten.

Urkundliche Namensformen: 874 Burihtridi, 1206 Bruchterde, 1362 Bruch-

r
loading ...