Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 43
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Grossbrüchter.

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tirde, Bruchtride und Brüchterde, 1409 Brüchterdin, 1506 Bruchtern su-
perior, 1532 Bruchter und Grossen Bruchter.

Die Kirche St. Spiritus, sedes Marksussra, Mutterkirche von der zu Klein-
pächter, liegt auf einer kleinen Anhöhe des Unterdorfes und wurde von 1593 bis 1597
neu erbaut. Ein über der Kirchthür an der Südseite eingemauerter Stein enthält
folgende darauf bezügliche Inschrift:

ANNO 1593. WER GOTT VERTRAVT HAT WOHL GEBAVT. GRAF WILHELM ZV SCHWARZ-
BVRG LEHN-VND BAVHERR. y

Von den drei Kirchenglocken mit 1,24,-1 und 0,75 m Durchmesser hat die
grösste und älteste folgende Inschrift:

HERR ZEBAOTH WOHL DEM MENSCHEN DER SICH AUF DICH
VERL^SST. ANNO 1685. 10H. HE1NR. RAYSCH ZV EREVRT.

Die mittlere Glocke wurde 1799 von Gebr. Ulrich zu Apolda und Laucha und
die kleine von E. Chr. Rümpel zu Mühlhausen gegossen.

Die vorige kleine Glocke, welche beim Guss der letztgenannten mit verwendet
wurde, soll auf der Wüstung Ingelstedt ausgegraben worden sein. (Vergl. unten Wüstung
Ingelstedt).

Nach Gr. Br. ist die im Helbenthale gelegene sog. Rabenmühle eingepfarrt.

Vor Erbauung der jetzigen Kirche hatte Gr. Br. zwei gottesdienstliche Gebäude,
eine Kirche und eine Capelle. Die erstere, welcher unter dem Namen Oberkirche
noch zwischen 1540 und 1550 gedacht wird, die aber wahrscheinlich bis zur Vollendung
der neuen Kirche bestand, lag im Oberdorfe und zwar in dem Garten, welcher gegen-
wärtig zu dem Hause des Maurers Kost gehört. Die Scheuer jenes Gehöftes soll
aus den Steinen der betr. Kirche gebaut worden sein und der Garten selbst noch die
Grundmauern derselben bergen.

Die letztere, die Capelle, war kein für sich bestehendes Gebäude, sondern ein
kleines zum gottesdienstlichen Gebrauch eingerichtetes Zimmer des dortigen Klosters.
Gegenwärtig dient sie als Küche des Rittergutes daselbst, dessen Wohnhaus zum Theil
aus dem ehemaligen Klostergebäude besteht. Ihre sehr starken Wände sind noch un-
verändert, nur ihr Pussboden, wie der des Corridors vor derselben ist vertieft worden,
bei welcher Gelegenheit man zerfallene Särge und Gebeine ausgrub, auch den in der
Capelle eingemauerten Taufstein aushob und bei Seite stellte; er ist jedoch der Auf-
bewahrung kaum werth, da er nur roh zugehauen ist.

Ueber das erwähnte Kloster selbst fehlt jede urkundliche Nachricht; doch
scheint es bis nach Einführung der Reformation bestanden zuhaben. Die Gebäude
und Grundstücke desselben mögen nach seiner Aufhebung wohl mit dem gräflichen Gute
dort vereinigt worden sein, welches vorher und nachher verschiedenen adeligen Familien
zu Lehen gegeben worden ist, wie den Herren von Ebeleben, von Wurmb u. a. m.
Später wurde dasselbe wahrscheinlich einem der Vasallen käuflich überlassen und in
ein Rittergut verwandelt. Ueber dasselbe* ist in baulicher Beziehung Folgendes zu
bemerken.

Das Wohnhaus ist bezüglich seines nördlichen Theiles, welcher, wie schon ange-
deutet, aus dem vormaligen Klostergebäude besteht, sehr alt und zeichnet sich durch
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