Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 44
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©rossbrüchter. — Grossenehrich.

ungemein starke Mauern, tiefe Fensternischen und sauber behauene steinerne Thür-
und Fenstereinfassungen aus; der südliche Theil dagegen ist neueren Ursprungs. —
Ziemlich alt ist dagegen das Thor an der Westseite des Gutshofes; denn auf den
steinernen Pfeilern desselben findet sich nebst mehreren nicht mehr recht zu ent-
ziffernden Buchstaben und der Gabel aus dem gräflich-schwarzburgischen
Wappen die Jahreszahl 1688 eingegraben. — Das Rittergut ist im Besitz der
Familie Heyse.

Wüstungen. In früheren Zeiten gab es drei Orte des Namens Brüchter
resp. Brüchterde etc. In einer Jechaburger Urkunde von 1409 werden Grossen-,
Wenigen- und Windischen Brüchterdin resp. Brüchterde aufgeführt, und im
Archidiaconatsregister von 1506 kommen Bruchtern superior, Bruchtern inferior
und Mittelbruchterde vor. Mittelbruchterde und Windischen Brüchterde
sind ein und derselbe Ort, und dieser lag, wie der eine Name desselben andeutet,
zwischen Gross- und Kleinbrüchter, ist aber so spurlos verschwunden, dass man nicht
einmal die etwaige Lage der Wüstung zu bezeichnen weiss.

Eine andere Wüstung in der Flur von Gr. Br. ist Ingelstedt, auch Ingre-
stedt und Ingelstat geschrieben, welche 3 km nordwestlich vom Dorfe liegt. Im
Archidiaconatsregister von 1506 wird Ingelstedt unter den zur sedes Marksussra ge-
hörigen Orten aufgeführt, aber als desolat bezeichnet. Von dem Dörfchen, dessen
Flur theils zu Gr. Br., theils zu Holzthaleben geschlagen worden ist, ist noch ein
Brunnen vorhanden, welcher auch in trockenen Jahren nicht versiegt und für die
beiden genannten Dörfer, welche an ihm gleichen Antheil und in solchen Jahren oft
grossen Wassermangel haben, eine wahre Wohlthat. — Auf einem Hügel in der Nähe
jenes Brunnens findet man viele Steine aufgehäuft, welche von der daselbst gestandenen
Kirche des Orts herrühren sollen; der Platz führt den Namen Ingelstedter Kirch-
hof. Auf demselben soll die oben erwähnte Glocke ausgegraben worden sein.

Grossenehrich,

Stadt mit 088 Einw., Winidon, mit einer fürstlichen Domaine, 17 km südlich von
Sondershausen, liegt auf einer vom sog. Horn ausgehenden Hochebene und unweit
des Bennebaches, welcher daselbst die Klinge, den Ausfluss des offenen Stadt-
brunnens, aufnimmt.

Urkundliche Namensformen: 874 Crichi resp. Erichi (vergl. Crichigruzzi unter
dem Artikel Greussen) 877 Erike und Heiriki, 974 Erichi, Ericke, 979 Ericha
und Eriche, 1259 Erich, 1366 grossen Erich und Ehrich.

Die Kirche St. Crucis, sedes Greussen, ist ein grosses, sehr altes Gebäude.
Sie soll bereits im achten Jahrhundert von Carl dem Grossen gegründet worden sein,
erfuhr aber mehrmals, besonders von 1846 bis 1851, durchgreifende Reparaturen und
Verschönerungen. Ihr Inneres ist freundlich und hell; der Altar und die über dem-
selben befindliche Kanzel sind mit Holzschnitzereien verziert.

Erwähnenswerth sind zwei in der Kirche befindliche Grabdenkmäler von
Rittern von Tottleben. Das eine, links von der Kanzel (s. Fig. 12), ist das des
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