Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 45
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Grossenehrich.

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Kitters „Oswalt von Dotleben", gestorben 1558. Derselbe ist in Ritterkleidung
dargestellt; in den oberen Ecken des Denkmals befinden sich zwei Wappen, das eine
mit drei einfachen Adlern ist das Tottlebensche. In dem abgerundeten oberen
Schlusssteine ist ein Medaillon mit dem Brustbilde Jesu und der Umschrift: 1HESV
CHRISTI; rechts neben dem Medaillon stehen die Buchstaben E. B. und links S.
Diese Buchstaben dürften mit der erwähnten Umschrift vielleicht zu lesen sein: EGO
BAPTISMATE IHESV CHRISTI SVM. — Oswald von Tottleben wurde 1540 vom
Grafen Günther XL. zum Landvoigt von Sondershausen berufen und be-
kleidete diese Stelle noch 1555.

Das andere Denkmal, rechts von der Kanzel (s. Fig. 13), ist das des Ritters
„Hans von Totleben", welcher ebenfalls in Ritterkleidung dargestellt ist. Unten
steht ihm ein Helm mit Federbusch zur Seite und oben befindet sich ebenfalls in jeder
Ecke ein Wappen, von denen das rechts drei doppelte Adler als Wappenzeiehen der
Ritter von Tottleben aufweist. In dem oberen sehr hohen Schlusssteine des Denkmals
steht die aus Hiob XIX. genommene Grabschrift. — Das Todesjahr ist nicht ange-
geben, dürfte aber, da er wahrscheinlich der jüngere Bruder des vorgenannten Oswald
ist, welcher den Namen Hans führte, an das Ende des sechzehnten Jahrhunderts
fallen.

In der alten Sacristei an der Südseite der Kirche befindet sich ein sehr altes
und grosses Crucifix von Holz; das Kreuz ist 2,40 m hoch und die Figur des Ge-
kreuzigten 1,52 m lang. Letztere ist nach dem Urtheile der Kenner von der Hand
eines Meisters in der Holzschneidekunst gefertigt worden.

An dieser Kirche wirkte als Pfarrer Johannes Thal, als derselbe von
Greussen, wohin er 1528 als Vicar berufen worden war, wegen seines Eifers in der
Ausbreitung der Reformation hatte flüchten müssen, wurde aber auch zu Grossenehrich
aus dem gleichen Grunde verfolgt, ja auf Befehl des Herzogs Georg von Sachsen
gefangen genommen und nach Sangerhausen abgeführt, wo er hingerichtet werden sollte.
Er entging aber glücklicherweise diesem traurigen Geschick und wurde bald nachher
Pfarrer zu Greussen.

Von den vier Kirchen glocken mit 1,34, — 1,11 — 0,80 und 0,73 m Durch-
messer sind die beiden grössten, wie aus deren Inschriften hervorgeht, von ziemlich
hohem Alter. Die Inschrift der grössten ist:

Fig. 14.

GOTTES «WBUBT » ECHRT
KVCHGCN'GOS MbJ'J'&X*

Die Inschrift der zweitgrössten befindet sich auf der nächsten Seite (s. Fig. 15).

Die beiden kleineren wurden am 15. und 17. Juni 1730 zum Andenken an die
zweihundertjährige Jubelfeier der Uebergabe der Augsburgischeu Confession von Con-
stantin Ulrich aus Hirschberg zu Grossenehrich selbst gegossen.

Ausser der Kirche St. Crucis hatte Grossenehrich in früheren Zeiten noch eine
Capelle, die vor dem westlichen Thore der Stadt lag, welches davon den Namen
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