Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 49
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Grossenehrich. — Grossfurra.

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gekommen ist und einen besonderen Geschoss, Grobergeschoss genannt, zu ent-
richten hatte. Die Wüstung selbst befindet sich im Flurgebiete des Dorfes West-
greussen. Vergl. Westgreussen.

Grossfurra,

Pfarrkirchdorf mit 1037 Einw., Wippergau, mit zwei Rittergütern, wird von dem
südöstlich vom Dorfe entspringenden Wilsbache durchflössen, welcher, nachdem er auf
seinem Laufe durch dasselbe viele kleine Zuflüsse aufgenommen hat, unterhalb des-
selben in die Wipper mündet. Das Dorf liegt theils am nördlichen Abhänge, theils
am Fusse der Hainleite, welche fast bis zu demselben ziemlich steil abfällt, sich dann
aber allmählich abdacht.

Urkundliche Namensformen: 874 Furari, Furare, 1189 Vurre, Vure, im
13. und 14. Jahrhundert Fure, Furre, Furth, Fuhr, grossin Furth und gros-
sin Fuhr.

Nach dem Dorfe nannte sich ein Adelsgeschlecht: von Furre, Fure, meistens
aber von Vurre, Vure, Wurre, Vrre und W7rre. Urkundlich kommen vor: 1206 Her-
mannus de Wurre, 1221 Hermannus Porcus de Vrre, 1235 Reinerus miles
de Wrre, 1240 Hermann von Furre, 1256 Hermannus Varich de Vurre u. a. m.
Sie werden theils als Bürger zu Nordhausen, theils als Zeugen bei Verträgen, be-
sonders bei denen des Stifts Walkenried, angeführt, sind aber auch im Dorfe Furre
(Vurre) begütert und urkundlich noch im 14. Jahrhundert im Besitz eines wehrhaften
Hofes daselbst. Denn nach einer Urkunde von 1316 einen sich Reinhard und Hermann
gen. Varich von Vure mit dem Grafen Heinrich III. von Honstein in der Weise,
dass ihr wehrhafter Hof zu Vure des Grafen offenes Haus sein soll „wider allmennig-
lich zu seiner Noth" und die Grafen das Näherecht haben sollen. — Nachher kommen
noch vor: 1332 Hermannus de Furre, dictus Varch, und 1351 Hug von Furre,
Comthur des deutschen Ordens zu „Neylstedt.".

Die Kirche St. Bonifacii, sedes Jechaburg, seit 1538 gutsherrlichen Patro-
nats, nachdem dasselbe von 1326 bis. dahin der Aebtissin des Cistercienser-Nonnen-
klosters daselbst zuständig war, stammt mit ihren ältesten Theilen, den beiden resp.
dem einen vollendeten Thurme und dem östlich von den Gurtbogen der Thürme ge-
legenen Altarchore, aus der romanischen Bauperiode, also aus der Zeit vom 11. bis
13. Jahrhundert, wie dies namentlich durch die Gestaltung der Thurmfenster-Ein-
fassung bezeugt wird.

Der Altarchor ist um zwei Stufen höher gelegen, als der westliche Theil der
Kirche, letzterer, ursprünglich ziemlich kurz und niedrig, wurde 1586 verlängert und
erhöhet.

Im Chor sind erwähnenswerth: der Altar mit hübsoher Holzschnitzerei, in der
Altarnische ein grosses Oelgemälde, die Kreuzabnahme Jesu, nach Rubens gemalt
von Fräulein Friederike von Wurmb (gest. 1843), und über demselben das
von Wurmb'sche Wappen, ein Lindwurm im goldenen Felde.

In der Sacristei steht ein aus Holz geschnitzter sog. Taufengel von hohem
Alter, der ein muschelförmig gestaltetes Taufbecken von Holz mit den Händen hält,

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