Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 50
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Grossfurra.

in welches beim Gebranch ein ebenso gestaltetes Becken von Metall gesetzt wurde. Seit
1855 ist derselbe ausser Gebrauch, indem an seiner Stelle der Kirche von der erwach-
senen Jugend des Orts am dreihundertjährigen Jubiläum des Augsburger Beligions-
friedens ein Taufstein von Marmor verehrt wurde. — Ebendaselbst steht ein sehr alter
Bücherschrank von Fichtenholz mit eingeschnittenen rankenförmigen Verzierungen,
und über demselben befindet sich ein uraltes an der Wand befestigtes Crucifix
von Eisen.

Unter den heiligen Gefässen der Kirche zeichnet sich ein silberner und ver-
goldeter Abendmahlskelch durch seinen Kunstwerth aus. Er ist 0,16 m hoch,
hat 0,105 m oberen Durchmesser und einen doppelten sechstheilig ausgeschweiften
Fuss, der durch eine durchbrochene Gallerie verbunden ist. Auf einem der sechs
Felder befindet sich ein Crucifix, und auf den sechs Knaufköpfen stehen von feiner
Ciselirung umgeben die Buchstaben: I.H.E.S. V.S.

Bezüglich des Thurmes resp. der Thürme ist zu bemerken: Ursprünglich
sollte die Kirche zwei Thürme erhalten, die auch beide zu gleicher Zeit einige Stock-
werke hoch aufgeführt wurden; von da an wurde aber nur der nördliche mit seiner
an der Ostseite befindlichen romanischen Fenstereinfassung vollendet, während man den
Weiterbau des südlichen sistirte, ja 1586 ihn wieder soweit abtrug, dass er mit dem
in jenem Jahre erhöheten westlichen Theile der Kirche unter ein Dach gebracht
werden konnte. Der nördliche bis zur Spitze ganz aus Mauerwerk aufgeführte Thurm
wurde, nachdem der obere Theil desselben sehr schadhaft geworden war, 1719 fast
bis zur Hälfte abgetragen und erhielt ein mit Schiefer gedecktes Kuppeldach.

Von den drei Kirchenglocken mit 1,7, — 0,90 und 0,75 m Durchmesser
zeichnet sich die grosse durch ihr muthmasslich sehr hohes Alter, durch ihre Inschrift
und durch die an ihr befindlichen vier Medaillons aus. Die Inschrift besteht aus dem
leoninischen Hexameter:

BENEDIC • DEVS • ATQVE - TYERE ° HOC • VAS ■ EX • ERE -

Von den vier Medaillons ist das an ihrer Ost- und das an ihrer Westseite be-
findliche ein und dasselbe, denn beide bestehen aus je einem Crucifix von der nur
bis ins zwölfte und dreizehnte Jahrhundert gebräuchlichen romanischen Form (s. Fig. 16),
wonach die betr. Glocke aus jener Zeit stammt und somit die älteste von den mit In-
schriften versehenen Glocken der Unterherrschaft ist; von den an den beiden andern Seiten
befindlichen Medaillons stellt das eine die Verkündigung der Maria, das andere
die Maria mit dem Christuskinde auf dem Arme dar, beide ohne Kunstwerth.

Die mittlere Glocke wurde 1730 von Joh. Arnold Geyer zu Nordhausen und die
kleine, ein Geschenk des Fräulein Luise Henriette Wurmb, 1751 von Joh. Heinr.
Brauhoff zu Nordhausen gegossen.

Der nordöstliche Theil des die Kirche umgebenden Gottesackers führt den Namen
Hopperöder Gottesacker und war früher die Begräbnissstätte für das Kloster
Hopperode, welches 2 km westlich von Grossfurra lag, nachmals aufgehoben und in
ein Vorwerk verwandelt wurde, aber seine eigene Capelle hatte. Der Gottesdienst in
derselben wurde von dem Geistlichen zu Grossfurra besorgt, und die dort Verstorbenen
wurden zu Grossfurra beerdigt.

Nach dem Jechaburger Archidiaconatsregister von 1506 gehörte die Capelle zu
„Hoppelingerode, Hoppelrode" zur sedes Jechaburg und war damals noch intact; gegen-
wärtig ist an ihrem einstigen Standorte weder von ihr, noch von einem andern Ge-
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