Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 51
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Grossfurra.

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bände eine Spur zu finden; übrigens liegt die Wüstung Hopperode auf preussischem
Gebiete.

Nach Grossfurra ist das nördlich davon gelegene Gasthaus „zur Haide" ein-
gepfarrt.

Ausser der Kirche St. Bonifacii war zu Grossfurra noch die Capelle St. Cyriaci,
die auch im Jechaburger Archidiaconatsregister verzeichnet steht. Sie wurde 1496 von
dem Ordensritter Georg von Wurmb im Garten des dortigen Schlosses erbaut und dotirt.
Nach einer Jechaburger Urkunde schenkt der Stifter 1501 für den Fall seines Todes
das Patronat über dieselbe seinem Bruder Lutze und dessen Söhnen. Die Capelle
scheint aber entweder gar nicht oder nur kurze Zeit in Gebrauch gekommen zu
sein und wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts wieder abgebrochen.

Das Kloster. Dass es in Grossfurra einst ein Kloster gab, ist bereits ange-
deutet worden, und es führt noch heute das Haus, welches an dem Standorte des vor-
maligen Klostergebäudes steht, diesen Namen. Ueber das betr. Kloster ist Folgendes
zu berichten:

Im Jahre 1322 übertrug der Landgraf Friedrich der Ernsthafte von
Thüringen der Aebtissin des Cistercienser Nonnenklosters zu Gross-
ballhausen das Patronat über die Kirche zu Grossfurra unter der Bedingung, dass
sie ihr Kloster dahin verlege. Die Aebtissin kam dem 1326 nach und bezog mit ihren
Nonnen zuerst ein kleines am Eingange des Gottesackers gelegenes Haus, an dessen
Stelle jetzt das Knabenschulgebäude steht. Doch bereits 1331 wurde den Nonnen von
zwei Herren von Schlotheim, Johann, Dechant zu Schleine, und Bernhard,
Dechant zu Schopeln, ihr westlich an den Gottesacker grenzendes Gut, mit welchem
damals zwei Brüder von Myla belehnt waren, überwiesen. Das Wohnhaus des Gutes
war von da an bis zur Säcularisation des Klosters 1538 Klostergebäude. Nachher
kam es in den Besitz der Herren von Wurmb, von denen es neu, aber kleiner erbaut
wurde, und ist jetzt Dienstwohnung des gutsherrlichen Försters.

Profangebäude. Unter den zu Grossfurra befindlichen Profangebäuden zeichnen
sich die beiden Rittergüter, das Schloss- und das Hof-Bittergut, gewöhnlich blos
Schloss und Hof genannt, aus.

Das Wohngebäude des Schlossrittergutes besteht bezüglich seines ältesten Theiles
aus der alten Burg, welche die Landgrafen von Thüringen im 13. oder zu
Anfange des 14. Jahrhunderts besassen und vielleicht auch erbaut haben. Diese Burg
war überaus fest, mit dreiThürmen versehen und von doppelten Wallgräben umgeben, über
welche von Norden her eine Zugbrücke führte. Sie bestand nach ihren Haupttheilen
aus einem westlichen und einem östlichen Flügel, die durch einen südlichen und nörd-
lichen mit einander verbunden waren. Der westliche Flügel war das Burglehen, der
östliche die landgräfliche Voigtei; die Aussenwände jenes waren ganz aus Steinen
aufgeführt, hatten keine Fenster, sondern oben befand sich nur eine offene Gallerie,
die nachmals als dritte Etage ausgebaut worden ist. Als Wohnung dienten die nach
innen gelegenen aus Holzwerk bestehenden Bäume. — Von dieser umfangreichen Burg
ist nur noch der westliche Flügel, das ehemalige Burglehen, und der an dessen
Südostecke sich frei erhebende runde Thurm s. (Fig. 17) vorhanden, der aus sehr
starken Mauern aufgeführt und dessen oberer Theil mit dem Schloss verbunden ist.
In jenem Theile des Thurmes befindet sich das reichhaltige und gut geordnete
Familien-Archiv der Herren von Wurmb.

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