Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 53
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Grossfurra. — Grossmehlra.

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Schlosses und des Dorfes Grossfurra. — Das Dorf stand Ms 1815 unter kursäch-
sischer, dann ein Jahr lang unter preussischer Landeshoheit, seit 1816 ist es
schwarzburgisch.

Grossmehlra,

Pfarrkirchdorf mit 633 Einw., Altgau, mit zwei Rittergütern, 24,4 km südwestlich von
Sondershausen, liegt in einem Thale, welches südlich von einer etwas steilen, nördlich
von einer sanft ansteigenden Anhöhe begrenzt wird. An dem Dorfe fliessen zwei kleine
Bäche vorüber, an der Nordseite die Notter, an der Südseite die Schmerl.

Urkundliche Namensformen: 1290 Melre, 1354 Meiere, Meier, 1374 groszin
Melra, 1389 Grossen Melra.

Die Kirche St. Viti, sedes Görmar, ist ein sehr altes Gebäude, hat aber, be-
sonders durch die dort begüterten adeligen Familien, fort und fort Verbesserungen und
Verschönerungen erfahren. So Hessen die Herren von Heringen dort durch den
geschickten Bildhauer Miel in Arnstadt 1698 für dieKirche eine Kanzel mit schönen
Holzschnitzereien anfertigen.—- Hinter dem Altare hängt ein in Oel gemaltes Dopp el-
bild, d. h. jede Seite desselben enthält ein Gemälde, das eine die Verkündigung
der Maria, das andere die Darstellung Jesu im Tempel; es scheint sehr alt zu
sein, hat aber keinen besonderen Kunstwerth.

Von den drei Kirchenglocken mit 1,16, — 0,86 und 0,60 m Durchmesser
zeichnet sich die mittlere durch ihre Inschrift aus (s. Fig. 17a).

Fig. 17*-

Ueber diese schwer zu entziffernde Inschrift gab auf Ersuchen Herr Professor
Grössler-Eisleben folgenden dankenswerthen Aufschluss: Der dritte Buchstab, an-
scheinend ein M, steht verkehrt, seine unterste Seite muss durch eine Vierteldrehung
nach rechts zu stehen kommen, wodurch das scheinbare M in ein E verwandelt wird,
was es sein soll; der folgende Buchstab, anscheinend ein B, steht ebenfalls falsch,
seine linke Seite muss nach unten zu stehen kommen, wodurch es ein M wird; der
sechste Buchstab, das R, muss anstatt rückwärts, vorwärts blickend gestellt werden,
und die beiden folgenden haben ihre Stellen zu wechseln, das I muss vor das A zu
stehen kommen. So berichtigt ist die Inschrift: AVE MARIA oder den Original-
buchstaben entsprechend (s. Fig, 17b):

Fig. 17t>-

Die grosse Glocke wurde 1789 von Gebr. Ulrich in Apolda und die kleine 1827
von E. Chr. Koch zu Mühlhausen gegossen.
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