Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 54
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Grossmehlra. — Gundersleben.

Nach Grossmehlra ist die nordwestlich davon gelegene Nottermühle eingepfarrt.

Ausser der Kirche St. Viti gab es dort noch die Capelle Beatae Mariae
und St. Bartholomaei, welche vor dem Dorfe lag und zur sedes Marksussra gehörte.
Eine Urkunde des Stifts Jechaburg gedenkt derselben mit den Worten: „capella apud
Melre". Im Jahre 1389 wurde dieselbe zugleich mit der dortigen Pfarrkirche vom
Cardinal Philipp von Alenconio dem Kloster Schlotheim incorporirt. Von
derselben hat sich aber weder eine Spur, noch auch irgend eine Kunde erhalten.

In Grossmehlra finden wir schon frühzeitig einige Güter, mit denen, im Laufe
der Zeiten die Herren von Creutzburg, von Ebeleben, von Greussen, von Son-
dershausen und von Heringen belehnt wurden. Letztere, welche bereits 1390 mit
Gütern dort belehnt worden waren, scheinen in dem Besitz derselben geblieben zu sein und
denselben noch vergrössert zu haben; denn 1519 wurden Kunemund, Kersten und
Herting von Heringen noch mit einem „Sedelhofe bei der Kirche" daselbst be-
lehnt. Aus diesen Lehngütern entstanden nachmals zwei Bittergüter der Familie
von Heringen, von welchen sie aber zur Zeit nur noch einen Theil als ein
kleineres Bittergut besitzt; jener Sedelhof aber, 1633 neu erbaut, ist, wenigstens theil-
weise, noch in ihrem Besitze und zeichnet sich durch Schnitzereien und Verzierungen
an Kähmen, Balkenköpfen etc. aus.

Der Familie von Heringen entstammt der als belletristischer Schriftsteller
rühmlich bekannte Gustav von H, 1799 zu Grossmehlra geboren. —

Bis zum Jahre 1667 fand zu Grossmehlra am Sonntag Laetare noch die Feier
eines uralten Volksfestes heidnischen Ursprungs statt, das sog. Tod aus tragen oder
Todaustreiben. Die Feier dieses Volksfestes, welches sich noch bis heute in manchen
Gegenden Deutschlands erhalten hat, besteht darin, dass die jungen Leute eines Orts
eine den Tod vorstellende Strohpuppe unter Absingung von Liedern namentlich an
den Grenzen der Flur umhertragen und dann ins Wasser werfen oder verbrennen. —
Der Tod ist hier eine christliche Einkleidung des heidnischen Winterriesen, der vor der
Gottheit des Frühlings weichen muss. — Die Bewohner von Grossmehlra trugen nun jedes
Jahr am Sonntage Laetare eine solche Strohfigur an den Grenzen ihrer Flur herum und
stellten sie zuletzt in der Flur von Obermehlra auf, wodurch zwischen beiden Orten
Streit entstand. In dem oben angegebenen Jahre berichtet darüber der Schösser zu
Völkenrode an den Grafen Ludwig Günther zu Ebeleben und bittet, da seine
Vorstellung bei der Gemeinde zu Grossmehlra ohne Erfolg geblieben wäre, um Ab-
stellung, welchem Gesuche auch alsbald Folge gegeben wurde.

Gundersleben,

Kirchdorf mit 227 Einw., Altgau, mit einem Bittergute, 12 km südwestlich von Sonders-
hausen, liegt an der nordöstlichen sanften Abdachung des Gänseberges, an der von
Sondershausen nach Langensalza resp. nach Mühlhausen führenden Chaussee und un-
weit der Hohenebra-Ebeleber Secundärbahn.

Urkundliche Namensformen: 884 Gundesleba, 1250 Gunzenleben, Gunthers-
leben, 1467 Gunderszleben, 1496 Gundersleuben.
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