Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 55
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Gundersleben. — Hachelbich

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Die Kirche St....., sedes Marksussra, seit 1574 Filial von Bockstedt,

während sie bis dahin ihren eigenen Pfarrer hatte, war ursprünglich nur eine kleine Ca-
pelle, die aus dem unteren Räume des Thurmes und einem westlichen Anbau bestand.
Letzterer wurde 1713 verlängert. Durch eine Renovation 1878 ist ihr Inneres sehr
freundlich geworden.

Die beiden Kirchenglocken von 0,82 und 0,61 Durchmesser liess 1780 der
damalige Rittergutsbesitzer daselbst, der Commissionsrath und Licentiat Anton
Volckmar Schuchard, auf seine Kosten von Gebr. Ulrich zu Apolda giessen.

Hachelbich,

Pfarrkirchdorf mit 696 Binw., Wippergau, 8 km östlich von Sondershausen, wird von
dem Hachelbache durchflössen, einen ziemlich starken Bache, der von Süden her
aus der Hainleite kommt und sich in die nördlich vom Dorfe vorüberfliessende Wipper
ergiesst.

Urkundliche Namensformen: 1005 Hessenbeche, Hachelwitz, Hachde-
beche, 1324 Hachelbeche, 1417 Hachilbech.

Die Kirche St. Petri, sedes Jechaburg, liegt am östlichen Ende des Dorfes
auf einer ziemlich ansehnlichen und felsigen Anhöhe, der Kirchberg genannt, zu
welcher mehrere Treppen führen. Der östliche Theil der Kirche, ursprünglich eine
Capelle, ist sehr alt und wurde sammt dem Thurme wahrscheinlich 1193 erbaut, wie
sich aus der am Portale des Thurmes eingegrabenen Jahreszahl vermuthen lässt.
Im Jahre 1567 wurde sie nach W. hin verlängert nach folgender an der Bückseite
des Kanzelpodestes befindlichen Inschrift:

GEBAVT ANNO o DOMINI o M o D o LXVII o IST o ZVR 0 EHRE o
GOTTES o DIS o GEBEW o AVFGEFVHRT o DA o CHRISTOPHORo
WERTER o VND o HANS o WALROT o KIRCHENVETR o WARN o
HERR o ICH o HABE o LIEB o DIE o STETE o DEINES o HAVSES o

Dieselbe Inschrift befindet sich auf einen an der Südwestecke der Kirche ein-
gemauerten Steine.

Der noch aus der alten Capelle stammende Taufstein besteht aus einem sehr
grossen roh zugehauenen Steine und hat die Form einer Urne; er hönnte jedoch früher
auch als Weihkessel gedient haben.

Von den beiden Thürrnen der Kirche wurde der östliche gleichzeitig mit der
Capelle erbaut. Der jetzige Eingang zu demselben von der Kirche aus besteht aus
einem sehr hübschen gothischen Portale mit der Inschrift:

ZV o DEM o GEBEW o HAT o IACOB o GVNSROT o XV c GVLDEN o

-GEBEN o

Darüber stehen die Jahreszahlen 1567 — 1193. Das Portal stammt also jeden-
falls aus dem Jahre 1567, in welchem der westliche Theil der Kirche neu erbaut
wurde und der alte Thurmeingang, welcher wahrscheinlich die Jahreszahl 1193 trug,
verlegt und erneuert werden musste.
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