Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 57
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Hümmelsberg. — Hohenebra.

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nicht enträthseln kann. Die mittlere Glocke hat keine Inschrift, ist aber ihrer Form
nach sehr alt, und die kleine wurde 1743 von Joh. Heinr. Brauhoff in Nordhausen
gegossen.

Hohenebra,

Pfarrkirchdorf mit 573 Einw., Altgau, mit einem Ilfeld'schen Stiftsgute, 9,7 km süd-
lich von Sondershausen, liegt unweit der Nordhausen-Erfurter Eisenbahn und gegen
2 km südlich von der nach dem Dorfe benannten Station derselben, die auch zugleich
Anfangsstation der Hohenebra-Ebeleber Secundärbabn ist, und wird von zwei kleinen
Bächen, dem Ebersbrunnen und dem Sauerbrunnen, durchflössen, die nördlich
davon am Fusse der Hainleite entspringen.

Urkundliche Namensformen: 1128 alta Ebera, im Gegensatze zu parva
Ebera (Thalebra), 1269 Evera, Everha, 1866 Hoen Ebera, im Jechaburger Archi-
diaconatsregister: Ebra superior und Hon Ebra.

Die Kirche zur Ehre Gottes, sedes Jechaburg, Mutterkirche von der zu
Thalebra, wurde von 1724 bis 1726 neu erbaut. — Die alte Capelle St. Andreae,
welche vorher an deren Stelle stand, hatte vom Anfang an mit der zu Thalebra einen
und denselben Vicar, welchen das Stift Jechaburg einsetzte. Dieses Verhältniss be-
stand bis 1491, in welchem Jahre Graf Günther auf das Gesuch der beiden Gemeinden,
welches Dechant und Convent zu Jechaburg befürworteten, beide Capellen dismembrirte
und einer jeden derselben einen eigenen Vicar gab.

Dieses Verhältniss bestand bis 1574; von dieser Zeit an ist die Kirche zu Hohen-
ebra die Mutterkirche von der zu Thalebra.

Von den drei Kirchenglocken mit 1,11, — 0,92 und 0,76 m Durchmesser
wurde die grosse 1881 von Gebr. Ulrich zu Apolda, die mittlere 1871 von Georg
Friedr. Ulrich zu Apolda und die kleine 1832 von E. Kumpel zu Mühlhausen ge-
gossen.

Nach Hohenebra ist der nördlich davon gelegene Bahnhof der Nordhausen-Erfurter
Eisenbahn eingepfarrt.

Das Stiftsgut zu Hohenebra wurde dem Kloster Ilfeld im 13. Jahrhundert
vom Grafen Christian von Clettenberg verkauft, 1269 consentirt Berthold von
Clettenberg, Canonicus zu Halberstadt, in den Verkauf unter der Bedingung, dass
die Mutter des Verkäufers und die Gattin des Grafen Conrad, Bruders, des gen.
Berthold, lebenslänglich den Niessbrauch von dem betr. Gute behalten. Im Jahre
1287 kam das Stift in den vollen Besitz desselben und erhielt damit zugleich die Ge-
richtsbarkeit über das Dorf Hohenebra, bis diese in neuerer Zeit aufgehoben wurde. —

Die alten Gebäude des Stiftsgutes brannten 1829 ab und wurden durch neue
ersetzt.

Das nördlich von Hohenebra gelegene Feld heisst Benneckenrode und soll
diesen Namen von einem vormals dort gelegenen Dörfchen dieses Namens erhalten
haben. Von der Wüstung selbst ist keine Spur mehr vorhanden.
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