Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 61
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Jecha.

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Jecha,

Pfarrkirchdorf mit 1091 Einw., Wippergau, 2 km südöstlich von Sondershausen, liegt
unweit des rechten Wipperufers.

Die urkundlichen Namensformen des Dorfes weichen von seinem jetzigen Namen
wenig ab und sind: Gicha, Giche, Jicha und Jiche.

Die Kirche St. Matthaei, sedes Jechaburg, ist bezüglich ihres östlichen Theiles
und des Thurmes sehr alt. Ursprünglich war das ganze Kirchengebäude dort nur
eine kleine Capelle, die aus dem unteren Kreuzgewölbe des Thurmes und einem öst-
lichen , ebenfalls mit einem Kreuzgewölbe versehenen Anbau bestand. Die langen
schmalen' gothischen Fenster des lezteren sind noch vorhanden. — Im Jahre 1476
wurde die Capelle nach W. hin verlängert, wie aus der an der äusseren Südseite der
Kirche befindlichen Inschrift zu sehen ist:

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Neben dieser Inschrift steht auf derselben Steinplatte oben raaJftetls — der
Name des Schutzheiligen der Kirche —, und darunter ist die Figur einer Sonnenuhr
eingeritzt.

In der nördlichen Wand der Kirche befindet sich ein jetzt zugemauerter Thor-
bogen, gerade dem Eingange an der Südseite der Kirche gegenüber; wahrscheinlich
fanden vor der Reformation durch beide Processionsaufzüge statt.

In der Kirche ist die 4,25 m hohe Altartafel erwähnenswerth. Auf schwarzem
Grunde ist sie mit Figuren verziert, die aus weissem Marmor kunstfertig gemeisselt
sind. In der Mitte der Tafel befindet sich ein 0,65 m hohes Crucifix, ebenfalls von
Marmor. An dem obern Ende derselben ruht auf einem Karnies an den beiden Ecken
ein Engel. Leider fehlt hier und da eine der aus biblischen Personen, Blumen,
Blattgewinden etc. bestehenden Figuren oder ein Theil derselben. — Diese Altartafel
war früher in der Schlosscapelle zu Sondershausen aufgestellt und wurde der Kirche
zu. Jecha 1724 vom Fürsten Günther verehrt.

Der Taufstein, aus einem grossen roh zugehauenen Steine bestehend, ist uralt
und mag bereits in der alten Capelle als Taufstein oder auch als Weihkessel ge-
dient haben.

Die drei Kirchenglocken von 0,90, 0,74 und 0,63 m Durchmesser wurden
insgesammt 1852 von Gebr. Ulrich zu Apolda gegossen.

Die Kirche zu Jecha war bis 1653 Filial von Sondershausen, indem der Diaconus
der Stadtkirche daselbst das Pfarramt zu Jecha mitzuverwalten hatte.

Wüstungen. In der Flur des Dorfes J. finden sich zwei Wüstungen, das alte
Vorwerk und Ankerode. Die erstere liegt etwa 3 km südwestlich von J. am Ende
des Spierenthaies und westlich vom Büchenbrunnen, im Walde unterhalb der Spaten-
burg (Ohlenburg). Wahrscheinlich lagen dort einst die Wirthschaftsgebäude, Stal-
lungen etc. der Spatenburg, für die um und neben der letzteren kein Baum mehr war,
und denen man den Namen Vorwerk gab. Bauliche Ueberreste findet man an dem
vermeintlichen Standorte derselben nicht mehr.

Die zweite Wüstung, Anke rode, rührt von einem Dörfchen her, welches nur
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