Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 66
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Jechaburg. — Keula

entschieden auch Folgendes. Die 1873 ausgeführte Aufgrabung der Grundmauern von
der Capelle auf dem Frauenberge legte auch einen Theil einer jedenfalls heidnischen
Opfer- oder einer Begräbnisstätte bloss. An der Ostseite der Capelle fand sich unter einer
stärkeren Schicht von Schutt eine auffällig schwarz gefärbte Bodenschicht. In der-
selben wurden ziemlich zahlreiche Trümmerstücke von Thongefässen aufgefunden, deren
ganze Beschaffenheit für ein hohes Alter sprach; auch viele zertrümmerte Knochen
kamen vor. In gleicher Weise fand sich aber auch innerhalb des ersten Querwalles
und ziemlich weit von dem Standorte der Capelle Erde, welche sich durch eine inten-
siv dunkle Färbung auszeichnete, und auch einige alte Urnenscherben fanden sich da-
selbst. Bei einer Nachgrabung auf dem Frauenberge im Jahr 1817 wurde eine offen-
bar sehr alte Begräbnisstätte blossgelegt.

Nach diesem Allen ist anzunehmen, oder wird es wahrscheinlich, dass der Frauen-
berg in sehr alter Zeit eine wichtige durch Wälle und Gräben geschützte
Culturstätte war, in welcher man zu Zeiten der Gefahr Schutz und Zuflucht fand,
Opfer brachte, Todte bestattete: ja selbst für ein mindestens zeitweises Weilen und
Wohnen an einfachen Herd- und Wohnstätten spricht die weite Ausdehnung der wohl
nur unter dem Einflüsse des Feuers entstandenen dunkeln Erdschicht, wie man eine
solche jenseit des ersten Querwalles nicht findet.

Keula,

Marktflecken mit 900 Einw., Altgau, der höchst gelegene Ort der Unterherrschaft,
mit einer fürstlichen Domaine, 34 km westlich von Sondershausen, liegt an der west-
lichen Abdachung einer Hochebene und ist der Anfangspunkt der von da nach Ebe-
leben führenden Chaussee.

Urkundliche Namensformen: 966 Cul, 1178 Culaa, 1303 Eula, 1348 Ober-
keula, 1363 superior villa dicta Kula; später gewöhnlich Ober- und Grosskeula
zur Unterscheidung von dem jetzt gothaischen Dorfe Kleinkeula; im Volksdialekt: Kihle.

Die Kirche St. Trinitatis, sedes Marksussra, ist 1652 und 1653 neu erbaut
worden, nachdem die vorige Kirche. St. Martini 1637 abgebrannt! war. Auf einem
Steine an der Nordseite des Thurmes steht die Jahreszahl 1586, welche wahrscheinlich
das Erbauungsjahr der letztgenannten Kirche bezeichnet.

In der Kirche befindet sich eine Altartafel (s. Beilage X) mit kunstvoller
Holzschnitzerei; in der Mitte derselben ist die Gr ablegung Jesu dargestellt, und am
obern Ende der Tafel befinden sich zwei Wappenschilder der Grafen von Schwarz-
burg. — Auch die Kanzel und die äussere Seitenlehne der Kanzeltreppe
sind mit Holzschnitzereien verziert. — Altartafel und Kanzel stammen aus der Schloss-
capelle zu Arnstadt und wurden der Kirche zu Keula von dem Grafen Anton
Günther II. verehrt, welcher 1670 bis 1681 daselbst residirte.

Die Kirche besitzt ferner einen Tauf st ein von Marmor, welcher nicht ohne
Kunstwerth ist; werthvoller aber war derselbe früher durch seine Verzierungen von
Alabaster, die im Laufe der Zeit leider abgefallen sind. Dieser Taufstein wurde 1657
der Kirche von dem damaligen gräflichen Oberförster Wedekind dort verehrt.

Heilige Gefässe. Unter den heiligen Gefässen der Kirche zeichnet sich
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