Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 68
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Keula. — Kirchengel.

dessen Schwiegersöhne und Erben, die Grafen Heinrich und Günther von
Schwarzburg, Schloss und Dorf Oberkeula den Rittern Rudolph und Otto von
Ebeleben um 500 Mark, und letztere blieben von da an längere Zeit Burgherren
von K. Ihnen standen vier Burgmänner zur Seite, welche als solche mit Gütern
daselbst belehnt wurden. Diese Burgmänner waren: Herren von Worbis, von Trotha,
von Heringen und von Kreutz bürg. Die Güter der beiden ersteren fielen nach
deren Aussterben den Grafen von Schwarzburg heim, das von Heringenische wurde
1818 dismembrirt, das von Kreutzburgische ist in den Besitz einer anderen Familie
käuflich übergegangen.

Bezüglich des Ortes Keula, der jetzt in unmittelbarer Nähe der alten Burg
liegt, ist zu erwähnen, dass derselbe dort gleichsam seinen zweiten Standort hat. Der
alte Ort, urkundlich unter den Namen Cul, Kula etc. aufgeführt, lag südlich von dem
jetzigen Marktflecken Keula in einem Thalgrunde und wurde deshalb gewöhnlich
Niederkeula genannt. Da der Ort aber öfters durch Ueberschwemmungen zu leiden
hatte und einst noch von einer grossen Feuersbrunst betroffen wurde, so siedelte sich
die ganze Einwohnerschaft in der Nähe der hochgelegenen Burg Keula an. — Ein
Brunnen bezeichnet noch den Standort des ehemaligen Dorfes Niederkeula.

Im Jahre 1793 erhob der Fürst Christian Günther das Dorf Keula zu einem
Marktflecken.

Kirchengel,

Kirchdorf mit 305 Einw., Engilin, mit einem Ilfeld'schen Stiftsgute, 14,6 km süd-
östlich von Sondershausen, liegt auf einer von der Hainleite nach Süden sich er-
streckenden Hochebene.

Urkundliche Namensformen: 1231 Kirceggelie, 1253 Kirch BngiLle, Kirch
Engeide, 1317 Kirch Engilde, 1398 Kirchengele, 1467 Kirchenengelde, im
16. Jahrhundert Ostruilinge (Oesterengel im Gegensatz zu Westerengel). — Ueber
den Namen der Dörfer auf engel und des Gaues Engilin vergl. Einleitung.

Die Kirche St......, keiner Jechaburger sedes zugehörig, Filial von

Westerengel, ist schon sehr alt und war ursprünglich nur eine kleine Capelle, welche
1694 nach W. hin verlängert wurde. Im Jahre 1883 wurde sie renovirt, wodurch ihr
Inneres ein sehr freundliches Ansehen gewonnen hat. — Der Altar ist mit zwar
einfacher, aber sehr hübscher Holzschnitzerei verziert.

Die beiden Kirchenglocken von 0,94 und 0,76 m Durchmesser sind 1818
von Braun zu Wasserthaleben gegossen worden.

Das Stiftsgut, Ilfelder Hof genannt, war vormals ein Kloster, über dessen
Gründung und Dauer sich keine Kunde erhalten hat; dasselbe scheint übrigens nicht
lange bestanden zu haben. Das Klostergebäude lag an der Westseite des Guts-
hofes, und seine letzten TJeberreste sind erst in dem fünften Jahrzehnt unseres »Jahr-
hunderts abgebrochen und an deren Stelle Fruchtböden errichtet worden. — Das alte
Wirtschaftsgebäude des Klosters jedoch hat sich bis heute erhalten und ist,
obwohl es aus Holz und Fachwerk besteht, ein sehr solides Gebäude mit theils unge-
mein grossen, theils kleinen zellenartigen Räumen. In demselben befindet sich
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