Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 69
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Kirchengel.

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ein Ofen, der das Interesse jedes Beschauers erregt. Derselbe, in einem grossen
Wohnzimmer der zweiten Etage aufgestellt, weist nicht blos ungewöhnliche Dimensionen
bezüglich seiner Höhe und Tiefe auf, sondern auch eine sehr kunstfertige Ausstattung
seines Materials, namentlich seiner Thontafeln. Der Ofen ist, seine hölzernen Füsse
abgerechnet, 2,14 m hoch, 0,72 m breit und 1,12 m tief und besteht aus einem Unter-
satze und zwei Aufsätzen. Der Untersatz besteht aus einem eisernen Kasten, auf
dessen Vorderblatte die Buchstaben E. A. (Namenszug des Herzogs von Braunschweig-
Lüneburg) stehen: auf jedem Seitenblatte ist ein Pferd abgebildet. — Die beiden Auf-
sätze bestehen aus thönernen Tafeln, auf welchen sich theils nur Inschriften, theils
Figuren und Inschriften befinden. Von den Tafeln des unteren Aufsatzes enthalten
die ersten . an jeder Seite von der Wand her die Worte: Rudolphus Augustus von
Gottes Gnaden Herzog zu Braunschweig und Lüneburg (geb. 1627, gest. 1704) Re-
migio Altissimi: die je drei folgenden enthalten die Ueberschriften: die Hoffnung,
die Stärke, der Glaube, und darunter stehen die sinnbildlichen Figuren derselben;
auf den beiden die abgestumpften Ecken bildenden Tafeln befindet sich je eine Figur
ohne Ueberschrift. — Auf den Tafeln des oberen Aufsatzes beider Seiten sind zwei
Ritter und auf der Tafel der Vorderseite ist ein mit einer Krone geschmückter Ritter
abgebildet.

Ein kleines Zimmer in der untern Etage desselben Gebäudes führt den Namen
Schulstube, muss also wohl früher als solche gedient haben.

Im Jahre 1247 bestätigt Pabst Innocenz IV. dem Kloster Ilfeld Besitzungen
in Kirchengel. Wahrscheinlich betrifft dies eine von den Herren von Clettenberg
gemachte Schenkung, die in dem jetzigen Stiftsgute daselbst oder einer Zugehörung
desselben bestand.

Wüstung. Zu der Länderei des Stiftsgutes dort gehört ein Areal von 54 ha,
die in dem zwischen Westerengel und Oberspier befindlichen Flurtheile Reinisch
liegen, und an welchem auch die Gemeinden Westerengel und Oberspier Theil haben.
Den Namen hat jenes Feld der Sagenach von einem vormals dort gelegenen Dörfchen oder
Kloster erhalten, und so könnte Reinisch den Namen einer Wüstung bezeichnen.
Aber es fehlt jede Kunde von einem Dorfe oder Kloster dieses Namens. — Dieses
Dunkel dürfte durch eine Urkunde des Klosters Capeila etwas gelichtet werden. In
der betr. Urkunde aus dem Jahre 1200 etwa heisst es nämlich: Der Probst Wezilo
des Klosters Capeila tritt mit Erbrecht (jure hereditario) an Hermann, Siffrid und
Wernher in Engilde zwei und eine halbe Hufe Land, in Rinthse gelegen, ab. —
Eine alte Aufschrift dieser Urkunde lautet: „Ueber Güter in Western-Engilde
neben Rabensborn". Nun heisst aber das östliche an das betr. Reinisch gren-
zende'Feld noch heute Rabensborn, und somit wäre der ursprüngliche Name des
neben Rabensborn liegenden Feldes nicht Reinisch, sondern Rinthse, und dieses war
somit ein Besitzthum des Klosters Capelle.

Wenn nun der Sage nach dort ein Kloster lag, dessen Insassen, wie die Sage
weiter berichtet, zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse die Kirche oder Capelle
in dem südlich davon gelegenen Marbach zugewiesen worden wäre, so dürfte dies
wohl mehr von den Bewohnern eines weltlichen Gebäudes, als von denen eines Klosters
gesagt werden können. Daher mag dort wohl ein anderes Gebäude oder auch ein
Dörfchen mit einem Vorwerke des Klosters Capeila, Rinthse genannt, gelegen haben,
aus welchem Namen mit der Zeit Reinisch geworden ist. So befindet sich dort also
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