Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 70
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Kirchengel — Kleinbrüctiter.

die Wüstung Rinthse. Sie liegt 2 km nordwestlich von Westerengel und eben'so
weit nordöstlich von Oberspier. Ein offener unausgemauerter Brunnen dort möchte
vielleicht noch eine Hinterlassenschaft und zwar die einzige des alten Rinthse sein.

Kleinbrüchter und die Domaine Peukendorf.

Kleinbrüchter, Kirchdorf mit incl. Peukendorf 467 Finw., Altgau, 26,2 km
südwestlich von Sondershausen, liegt zwischen zwei kleinen Bächen, die sich östlich
von dem Dorfe vereinigen und in die Helbe münden.

Urkundliche Namensformen: 1366 minor Bruchtirde und Bruchterde, 1417
Wenigen Briichterde und Wenigen Brüchter, 1532 Klein Bruchter. Vergl.
Grossbrüchter.

Die Kirche St. ... , sedes Marksussra, Filial von Grossbrüchter, wurde

1831 neu erbaut, nachdem die vorige 1661 erbaute sehr baufällig geworden war.

Ton den drei Kirchenglocken mit 0,85, — 0,67 und 0,54 m Durchmesser hat
die grösste und älteste folgende Inschrift:

GOTT GIB FRIED IN DEINEM LANDE GLVCK VND HEIL ZV ALLEM STANDE.
IOH. HEINR. RAVSCH ZV ERFVRT GOS MICH ZV GR. BRVCT. ANNO 1685.

Die mittlere Glocke wurde 1853 von Gebr. Ulrich zu Apolda und die kleine

1832 von Joh. Friedr. See zu Creutzburg gegossen. — Die beim Guss der letzteren
mit verwendete vorige kleine Glocke soll auf der nahgelegenen Wüstung Germersdorf
ausgegraben worden sein.

Wüstungen. Etwa 3 km südöstlich von Kleinbrüchter befindet sich die
Wüstung Germersdorf, welche von einem Dörfchen dieses Namens herrührt, welches
bereits 1533 als desolat bezeichnet wird. Auf einer Stelle seines ehemaligen Stand-
ortes, der Germersdörfer Kirchhof genannt, soll, wie oben schon berichtet, die
vorige kleine Glocke zvi Kleinbrüchter ausgegraben worden sein. An derselben Stelle
grub man 1827 beim Bau einer Rabenhütte viele menschliche Gebeine und einen
Schlüssel aus, den man für den Kirchenschlüssel jenes Orts hält: derselbe wird im
Naturaliencabinet zu Sondershausen aufbewahrt. An der Stätte der Wüstung findet
man noch einen Brunnen, Germersdörfer Brunnen genannt, welcher gemein-
schaftliches Eigenthum der Gemeinden Kl. Br. und Toba und für dieselben in wasser-
armen Jahren eine grosse Wohlthat ist. Nach den gen. beiden Orten mögen sich die
Bewohner des untergegangenen Dorfes geflüchtet haben, und noch bezeichnet man
den Anger gen. Theil jener Dörfer als die Ansiedelung der vormaligen Bewohner von
Germersdorf.

Ueber die Wüstung Mittelbrüchterde vergl. Grossbrüchter.

Nach Kleinbrüchter eingepfarrt ist die fürstliche Domaine Peukendorf,
welche 1,8 km. südlich davon gelegen ist.

Urkundliche Namensformen: 1178 Boikendorf, 1226 Boykendorp, 1306
Boykendorf, 1532 Peuckendorff, später Beukendorf und Peukendorf.

Peukendorf war bis 1306 ein dem Kloster Reinhardtsbrunn zugehöriges
Gut und wurde in dem erwähnten Jahre dem Convent des Klosters Schlotheini
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