Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 71
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Kleinbriiehter. — Niederbösa.

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verkauft. Nach Aufhebung des letzteren kam es in den Besitz der Grafen von
Schwarz bürg.

Wüstung. Etwa 0,5 km nordöstlich von Peukendorf und in-dessen Flurbezirk
gelegen ist die Wüstung von dem Dörfchen Königsleben, von welchem sich aber
nur der Name desselben erhalten hat. — Von einem Sumpfe in der Nähe der
Wüstung, der aber inzwischen trocken gelegt worden ist, erzählt man, dass eine Sau
aus demselben eine Glocke ausgewühlt und er davon den Namen Sauloch er-
halten habe.

Niederbösa,

Pfarrkirchdorf mit 260 Einw., Engilin, 17,8 km südöstlich von Sondershausen und der
östlichste Ort der Unterherrschaft, liegt in einer Tiefebene.

Urkundliche Namensformen: im 8. Jahrhundert Bysaho. im 9. Jahrhundert
Bösaha, 1198 Bysa, später Besa, Bese, Besen — diese Namen können sich aber
auch theilweise auf das benachbarte preussische Dorf Oberbösa beziehen — 1374
Nedern Besa, 1496 Niedernbesa.

Die Kirche St. Georgii, sedes Kannawurf, wurde 1698 neu erbaut. In bau-
licher Beziehung dürfte der Treppenaufgang an der Südseite der Kirche nicht ohne
Interesse sein, indem dessen steinerne Ballustrade die Hand eines ziemlich kunst-
fertigen Steinmetzen verräth; besonders sind die als Säulen dienenden Steine, obwohl
hartes und grobkörniges Material, so geschickt bearbeitet, dass sie wie gewunden
erscheinen.

Von den drei Kirchenglocken mit 1,2, — 0,86 und 0,72 m Durchmesser
wurde die grosse 1774 von Gebr. Ulrich zu Apolda, die mittlere und die kleine 1880 von
derselben Firma gegossen.

Bis 1575 war die dortige Kirche Filial von Trebra, erhielt sodann einen eigenen
Pfarrer, indem eine dort begüterte adelige Familie, deren Name leider nicht aufbewahrt
worden ist, zur Pfarrwohnung ein Gutsgebäude und zur Dotirung der Pfarrei vier
Hufen Land legirte.

Vom 12. bis ins 15. Jahrhundert war das Dorf Niederbösa freies Eigenthum
adeliger Familien, zuerst der von Besa, von deren Gliedern Johannes de Besa
1310 canonicus ecclesiae Jechaburgensis und Heinrich von Besa 1495 Probst des
Klosters St. Georgii zu Frankenhausen waren. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts
war Niederbösa im Besitz der Herren von Greussen, von denen Hans und
Lutze 1413 und 1414 das halbe Dorf Bese, ihr väterliches Erbe, um sechs Mark
an den Grafen Günther XXIX. von Schwarzburg verkauften.

In Urkunden des 17. Jahrhunderts wird mehrmals eine Familie von Noe" als
in Niederbösa begütert aufgeführt; Nachkommen derselben leben weitverzweigt als
Landleute noch gegenwärtig dort unter dem Namen Vonnoe.
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