Apfelstedt, Heinrich Friedrich Theodor [Hrsg.]; Fürstlich-Schwarzburgischer Alterthumsverein   [Hrsg.]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Fürstenthums Schwarzburg-Sondershausen (Band 1): Die Unterherrschaft — Sondershausen, 1886

Seite: 72
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Mederspier.

Niederspier,

Pfarrkirchdorf mit 673 Einw., Altgau, mit einer fürstlichen Domaine, 12,5 km südlich
von Sondershausen, liegt auf einer sanften Anhöhe und deren östlichen Abdachung
und in der Nähe der Nordhausen-Erfurter Eisenbahn.

Urkundliche Namensformen: 840 meridiana Spera, 1075 Spira, Spiraha,
ein wenig später Spera, 1259 Nederenspira, 1311 Nedernspira, 1329 Spyra, 1370
Nedirn Spyra, 1388 Nedyrn Spyra, 1417 Nedderspira.

Die Kirche St. Petri und Pauli, sedes Jechaburg, ist alt und wahrscheinlich
ums Jahr 1515 erbaut; wenigstens soll vor noch nicht allzu langer Zeit diese Jahres-
zahl über dem Eingänge zum Gottesacker gestanden haben, während neben dem Ein-
gange die steinernen Statuen der gen. beiden Schutzheiligen der Kirche aufgestellt
waren. Jetzt findet man dort weder Jahreszahl, noch Statuen.

Von den drei Kirchenglocken mit 1,23, — 0,96 und 0,79 m Durchmesser
ist die mittlere ziemlich alt, wie aus ihrer Inschrift hervorgeht:

SOLI DEO GLORIA. Anno 1610 GOS MICH HIERONYMVS
MOEHRINGK IN ERFVRT IM NAMEN GOTTES. BENEDICAT NOS

DEVS etc. PS. 67, 7. 8.

Die grosse Glocke wurde 1853 von E. Chr. Kumpel zu Mühlhausen und die
kleine 1852 von Gebr. Ulrich zu Apolda gegossen.

Nach Niederspier eingepfarrt sind die südlich davon gelegene Fasanerie, die
östlich unterhalb des Dorfes gelegene Bachmühle und die südöstlich davon unterhalb
Bliederstedt gelegene Winkelmühle.

Die fürstliche Domaine, unter deren älteren Gebäuden sich keins durch
besondere alterthümliche Bauart auszeichnet, ist allmählich durch Zusammenlegung
einiger kleinen Lehnsgüter daselbst entstanden; den letzten Zuwachs erhielt sie durch
das Gut eines Herrn von Mortier, welches fürstliche Kammer käuflich erwarb.

Das Dorf Spier kommt urkundlich, wie oben berichtet, bereits im neunten Jahr-
hundert vor; am bekanntesten aber ist es durch den Kaiser Heinrich IV. geworden,
welcher 1075 nach der Schlacht bei Langensalza oder Homburg unweit desselben Hof
hielt und dorthin die sächsischen und thüringischen Edeln entbot, um ihre Unter-
werfung entgegen- und sie selbst wieder zu Gnaden aufzunehmen; letzteres geschah
freilich nicht.

Während nun Lambert von Aschaffenburg den betr. Versammlungsort in
die Gegend von Spira — Spiraha — setzt, sagt der ums Jahr 1080 am Hofe des
Bischofs Werner von Merseburg lebende Schriftsteller Bruno im fünften Buche
seines „Sachsenkrieges" (cap. 54), dass das Heer des Kaisers Heinrich und seiner
Gegner sich bei Everha (Hohen- und Thalebra) getroffen. Wahrscheinlich war das
Hoflager des Kaisers bei Spira, während die grosse Zahl der Truppen wohl den Raum
von Spier bis Hohen- und Thalebra in Anspruch nehmen musste. Die Sachsen und
Thüringer namentlich, die von Nordhausen über Sondershausen dorthin zogen, mochten
zunächst bei „Everha" Halt gemacht haben. So möchten sich die verschiedenen An-
gaben rechtfertigen lassen.

Wüstungen. In dem Thalkessel zwischen Niederspier, Westerengel und Otter-
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